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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2020
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Weil es im Sozialismus keine Rassisten geben darf

von Lutz Lemhöfer vom 31.01.2020

Krimi. Otto Castorp ist ein loyaler Polizist in der Morduntersuchungskommission (MUK) im thüringischen Gera. Im Herbst 1983 finden er und seine Kollegen eine entsetzlich zugerichtete Leiche am Rande einer Bahnstrecke: »Braunkohle«, wie ein zynischer Mitarbeiter den verstümmelten Körper des toten Afrikaners nennt. Offenbar einer der 90 000 schwarzen Vertragsarbeiter etwa aus Angola oder Mosambik, die im sozialistischen Bruderstaat DDR arbeiteten und nicht immer brüderlich behandelt wurden. Die ruhige und zähe Routinearbeit der MUK führt allmählich zu einer unbequemen Erkenntnis: Der Tote könnte Opfer eines rassistisch motivierten Anschlags geworden sein. Doch Rassismus darf es in der sozialistischen DDR nicht geben; und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, beschließt das Ministerium für Staatssicherheit, den Tod als tragischen Arbeitsunfall darzustellen. Die Untersuchung wird eingestellt. Begründung: »Ihr müsst doch die politische Dimension sehen.« Das ist dem eher unpolitischen Otto Castorp zu viel. Da das Recht nicht mehr greift, ermittelt er heimlich auf eigene Faust weiter und versucht schließlich auf seine Weise, dem Toten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – mit einem ebenso überraschenden wie verstörenden Ende. Der Band, der von einem realen Fall von 1986 inspiriert wurde, besticht durch seine Sorgfalt und Genauigkeit in der Beschreibung des sozialistischen Polizeialltags mit seinen Möglichkeiten und Grenzen. Ein gelungener Roman, der auch zeitgeschichtlich zu fesseln vermag.

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