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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2020
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Warum sie gewählt werden
Der Inhalt:

»Ausverkauf der Demokratie«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 31.01.2020
Die Whistleblowerin Brittany Kaiser über Manipulationen beim Brexit-Referendum, Facebook und die US-Wahlen im Herbst

Publik-Forum: Zum 31.1. tritt Großbritannien aus der EU aus. Meinen Sie, es wäre auch ohne die Einflussnahme von Cambridge Analytica (CA) dazu gekommen?

Brittany Kaiser: Es gibt bei politischen Kampagnen viele Puzzleteile, die zusammen ein Ganzes ergeben. Cambridge Analytica war ein wichtiges Puzzleteil. Im Vorfeld des Referendums hat CA Daten über Vorlieben, Ängste und Gewohnheiten der Briten gesammelt. Was sie lesen, was sie kaufen, wonach sie online suchen.

Was geschah mit den Daten?

Kaiser: Anhand dessen wurde eine Zielgruppe erstellt, die vermutlich »leave« wählen würde oder die dazu gebracht werden könnte. Dann wurden maßgeschneiderte Kampagnen lanciert, die diese Menschen dazu bewegen sollten, tatsächlich für den Austritt zu stimmen. Dieses Mikrotargeting ist nicht per se schlecht. Es gibt ethische Wege – und unethische. Das Problem am unethischen Umgang mit Daten ist, dass häufig Negativ-Szenarien aufgebaut werden, die Ängste, Hass und Vorurteile schüren. Was Cambridge Analytica und ihre Partnerfirma AIQ im Zuge der Austrittskampagne gemacht haben, war zum größten Teil unethisch – und könnte essenziell gewesen sein für den Ausgang des Referendums.

Wie lassen sich Daten denn ethisch vertretbar nutzen?

Kaiser: Ich habe während des US-Wahlkampfs für das Obama-Team mit datenbasierten Ansätzen gearbeitet. Wir hatten aber eine Regel dabei: nur positive Ansprache. Keine Ängste schüren. Und Gegenkandidaten nicht in den Schmutz ziehen. Wir haben die Daten genutzt, um herauszufinden, was den Menschen besonders wichtig war. Gesundheitsvorsorge? Bildung? Umweltfragen? Entsprechend ihren Interessen wurden ihnen Anzeigen gezeigt, in denen deutlich wurde, was Obama in dem jeweiligen Bereich tun würde. Und wir haben Daten genutzt, um Menschen neugierig zu machen auf Politik. Damit sie wählen gehen oder sich politisch engagieren.

Dass Cambridge Analytica massiv Daten abgegriffen hat und dazu nutzte, das Wahlverhalten von Menschen zu beeinflussen, ist seit Jahren bekannt. Was ist nun neu?

Kaiser: Ich veröffentliche auf Twitter rund 100 000 E-Mails, Projektpläne und Verhandlungsdokumente von CA, die belegen, dass die Firma in 68 Ländern weltweit Einf

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