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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was bedeutet Bolsonaro für Kleinbauern in Brasilien?

von Cornelia Kreutzer vom 25.01.2019
Fragen an Anna Moser, Projektreferentin Brasilien bei Misereor

Publik-Forum: Der neue brasilianische Staatspräsident Jair Bolsonaro setzt auf die Rodung der Urwälder für die Export-Landwirtschaft und auf Großgrundbesitz. Was hat seine Regierung bisher gegen Kleinbauern und indigene Einwohner unternommen?

Anna Moser: Verschiedenes: Sie hat die Bundesbehörde für indigene Angelegenheiten geschwächt. Deren Kompetenzen hat sie unter anderem auf das Agrarministerium verteilt, das traditionell die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonasgebiets vorantreibt. Zudem hat sie jetzt offiziell verkündet, die Agrarreform bis auf Weiteres einzustellen. Durch sie sollten landlose Familien Landtitel erhalten und damit Zugang zu Land. 1988 wurde das als Ziel in der Verfassung definiert. Noch heute sind viele Familien ohne Land, weil die Reform auch in der Vergangenheit schleppend vorankam. Auch hat die Regierung Bolsonaro den nationalen Rat für Ernährungssicherheit geschwächt, über dessen Programme Kleinbauern Zugang zu regionalen Märkten haben – ein wichtiger Gegenpol in der sonst stark exportorientierten Landwirtschaft.

Welche Folgen hat das bisher?

Moser: Soziale Bewegungen und Nicht-Regierungs-Organisationen sind stark kriminalisiert worden, gesellschaftliche Debatten werden mit Hass geführt. Mit Positionen des Präsidenten wird letztendlich im ganzen Land Gewalt gerechtfertigt. Beispielsweise wurde letzte Woche ein dreißigjähriger Landarbeiter im zentralbrasilianischen Colniza ermordet, der sich für die Rechte der Kleinbauern eingesetzt hat. Bei der Attacke wurden weitere neun Menschen angeschossen, drei von ihnen sind schwer verletzt.

Wie reagiert Misereor auf solche Übergriffe?

Moser: Wir helfen mit unseren Partnern, solche Fälle aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist in Brasilien wegen der Verstrickung von Agrobusiness und Politik sehr schwierig.

In welchem Umfang fördert Misereor Projekte in Brasilien?

Moser: Misereor unterstützt 170 lokale Partner mit Schwerpunkten im ärmeren Norden und Nordosten Brasiliens, aber auch in den großen Metropolen. Das gesamte Projektvolumen beträgt jährlich ungefähr 13 Millionen Euro.

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