Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Aufgefallen: Regisseur von der Straße

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 26.01.2018
Fatih Akin ist einer der erfolgreichsten Filmemacher Deutschlands. Nun wurde sein Politthriller »Aus dem Nichts« mit einem Golden Globe ausgezeichnet

Er wollte einen Film drehen, »der sich in die Seele der Menschen frisst«. Das sagte der Regisseur und Drehbuchautor Fatih Akin über sein jüngstes Werk, den an die NSU-Morde angelehnten Politthriller »Aus dem Nichts«. Anfang Januar ist er als bester fremdsprachiger Film mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden und geht nun ins Rennen um die Oscars. Akin erzählt darin von einer Frau, die ihren Mann und Sohn bei einem Nagelbombenattentat verliert. Es ist eine Geschichte von Wut und Trauer, Rache und Gerechtigkeit. »Diese Morde betreffen mich persönlich, weil ich auch ein mögliches Opfer des NSU gewesen sein könnte. Weil meine Eltern Türken sind«, sagt er. Akin wollte einen Film machen, »über den die Leute reden müssen, wenn sie aus dem Kino kommen. Das verändert die Welt nicht auf Anhieb, aber ist wie ein Stein im Schuh«.

Der 44-Jährige ist der Star-Regisseur Deutschlands. Zu seinen beliebtesten Filmen zählen das Drama Gegen die Wand, die Komödie Soul Kitchen und Solino. Weniger bekannt ist sein Dokumentationsfilm »Müll im Garten Eden« über ein türkisches Bergdorf und dessen jahrelangen Widerstand gegen eine Mülldeponie. Akin wurde jedoch nicht nur gefeiert: Sein Spielfilm The Cut über den Genozid an den Armeniern wurde von vielen Kritikern zerrissen. Doch mit Niederlagen kann er umgehen, durchboxen musste er sich häufig im Leben.

1973 wurde Fatih Akin als Sohn türkischer Gastarbeiter in Hamburg-Altona geboren. Sein Vater war Fabrikarbeiter, die Mutter Lehrerin. Schon mit 16 wollte er Regisseur werden. Der Gymnasiast schrieb Kurzgeschichten und Drehbücher, spielte im Schultheater mit, jobbte bei einer Filmproduktionsfirma. Ein Vorzeigeschüler war er aber nie, im Gegenteil: Als Teenager drohte Akin abzurutschen, gehörte einer linken Straßengang an. »Was mich rettete, war meine Mutter und die Religion«, wird er zitiert.

Der Hobbyboxer, der in seiner Freizeit auch gerne als DJ auflegt, stammt aus einer religiösen, konservativen Familie. Als Jugendlicher ging er jeden Freitag in die Moschee – und in eine Volkstanzgruppe, »eine Hochburg von türkischen Linken, Autonomen, Maoisten«. Der Glaube ist ihm bis heute wichtig, seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen ist es ebenfalls.

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen