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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Expedition ins fremde Deutschland

Schüleraustausch zwischen West- und Ostdeutschen: Ein kluger Vorschlag

Der neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz hat einen innerdeutschen Schüleraustausch vorgeschlagen. »Wir brauchen nicht nur Schülerprojekte im Austausch mit Polen oder Frankreich, sondern auch zwischen Leipzig und Stuttgart«, erklärte der linke Thüringer Bildungsminister Helmut Holter. Und handelte sich sogleich einen Streit mit seiner Vorgängerin ein: »Die heutigen Schüler kennen in der Regel doch gar kein geteiltes Deutschland mehr und sind damit in der Wahrnehmeng deutlich weiter«, erwiderte die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Doch das ist ein Irrtum.

27 Jahre nach der Wende ist ein Fünftel der Westdeutschen noch nie in den »neuen Bundesländern« gewesen. Die meisten westdeutschen Kinder kennen Spanien, Frankreich oder Schweden aus dem Familienurlaub, haben aber keine Vorstellung von der Uckermark oder der Lausitz. Ich selbst erinnere mich an drei Jugendliche aus Magdeburg, die meine Tochter und ihre Freunde im Internet kennengelernt hatten und uns in Hessen besuchten. Als ich sie fragte, auf welche Schule sie gehen, antworteten sie fast beleidigt: »Na aufs Gymnasium! So was gibt’s tatsächlich auch im Osten!« Dass diese Schüler »in der Wahrnehmung deutlich weiter« wären, war nicht zu spüren. Die Freundschaft, die dann aber zwischen den jungen »Wessis« und »Ossis« entstand, war umso spannender.

Holters Vorschlag könnte Vorurteile in jeder Hinsicht abbauen: Wenn die 7d aus Duisburg zur 7b nach Bautzen fährt, wenn sächsisch-, russisch-, rheinisch- und türkischstämmige Schüler zusammen lernen, Projekte machen und Partys feiern, werden viele neue WhatsApp-Kontakte und unvergessliche Erfahrungen zurückbleiben. Und ein Staunen, wie