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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Buch des Monats: Das große Geheimnis des Glaubens

von Norbert Copray vom 26.01.2018
Gott zu erfahren setzt den Zweifel an gestrandeten Lehren voraus

Tomáš Halík
Glaube und sein Bruder Zweifel
Herder. 286 Seiten. 20 €

Tomáš Halík dürfte der Leserschaft von Publik-Forum gut bekannt sein. Wer seine Ansichten, Erfahrungen und Reflexionen nicht kennt, sollte sie jetzt kennenlernen. Spätestens mit diesem Buch über »Glaube und sein Bruder Zweifel«. Zuletzt trat der tschechische Soziologieprofessor, Religionsphilosoph und in der Untergrundkirche während des Kommunismus geweihte römisch-katholische Priester zusammen mit dem Pastoraltheologen Paul M. Zulehner durch den Start der Solidaritätsaktion für Papst Franziskus hervor (Publik-Forum 1/2018, S. 36).

Im Alter von 16 Jahren, erzählte er einmal, also »wenn man ohnehin alle von außen kommenden Wahrheiten infrage stellt«, habe er sich im staatlich verordneten Atheismus zu Gott »durchgezweifelt«. Die klassischen Gottesbeweise überzeugten ihn nicht. »Vielmehr dachte ich mir: Wenn es in der Welt Atheisten gibt, dann muss es auch das Gegenteil davon geben. Sonst würde ihre Position ja keinen Sinn ergeben.« Die Dankbarkeit strebt intuitiv zur Welt des Glaubens, »ohne dass dabei die Zweifel aufhören würden«.

Genau dieser Grundgedanke, diese Haltung prägt sein Buch. Es ist eine von ihm selbst edierte Anthologie aus seinen zahlreichen Schriften, die Hälfte davon liegt bisher nur in tschechischer Sprache vor. Halík hat sich als ein Zeitgenosse der Postmoderne erwiesen, mit einem scharfen Blick für die Ab- und Umbrüche der christlichen Tradition und für das Neue, das Andere des Glaubens und Denkens, das sich anfänglich zeigt und aufgegriffen werden kann. Unter Glaube versteht er »einen existentiellen Akt«, eine »dialogische Beziehung zur Wirklichkeit«. Sie erfordert Geduld und Mut, um glaubend mit dem Zweifel im Bunde dem Fanatismus, Fundamentalismus und Götzendienst entgegenzutreten.

Halík pflegt unter anderem das Gespräch mit dem irischen postmetaphysischen Philosophen und Schriftsteller Richard Kearney, der den »Anatheismus« begründet hat. Es geht darum, »von Neuem zu glauben«, über den Glauben neu nachzudenken, »nachdem wir die moderne Religionskritik und das Stranden mancher früherer Denkweisen über Gott und den Glauben, den ›Tod Gottes‹ ernst genommen haben«. Daher besteht für ihn »die Funktion des Glaubens« nicht darin, »unseren Durst nach Sicherh

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