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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2017
Bevor es zu spät ist
Wie junge Menschen vor gewaltbereiten Salafisten bewahrt werden können
Der Inhalt:

Plötzlich wird das Gesicht hell

von Ebba Hagenberg-Miliu vom 27.01.2017
Renate Saschin schenkt Dementen im Heim jede Woche etwas Zeit. Und hat dabei gelernt, wie kostbar das Leben ist

»Wenn ich ins Altenheim komme und meinen lindgrünen Kittel der Grünen Damen und Herren überstreife, dann finde ich einige Senioren meist ganz in sich versunken vor. Wer nicht in seinem Zimmer ist, sitzt im Gemeinschaftsraum meist für sich. Mit den Gedanken in einer anderen Welt. Viele Bewohner sind dement. Meist sind es die hochbetagten, aber auch einige jüngere. Das ist auch in allen Heimen so.

Erst sondiere ich mit den Pflegern die Lage. Und dann spreche ich jeden einzelnen Bewohner am Tisch an, mit Namen, mit einem persönlichen Wort. Irgendwann heben sie dann meist den Kopf. Und genau das ist immer wieder schön: Wenn sich ihre Züge entspannen. Wenn wir uns Zeit für die Bewohner nehmen, werden so manche Gesichter hell, sage ich mir. Dieses plötzliche Strahlen ist für mich ein kostbares Geschenk. Das nehme ich mit in meinen Alltag. Ehrenamt ist also ein Geben und Nehmen.

Eigentlich hatte ich es gar nicht geplant, irgendwann sogar die Leitung meiner Gruppe zu übernehmen. Wir sind rund zwanzig Helfer. Wir gehören zur Evangelischen Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe (EKH). Wir sind am Krankenbett oder eben in Seniorenheimen aktiv.

Ich war früher Lehrerin. Ich hatte aber auch schon in der Familie gepflegt. Da habe ich gesehen: Jeder kann in die Situation kommen, Hilfe zu brauchen. Als ich nicht mehr Lehrerin war, trat ich 1998 in die hiesige Grüne-Damen-und-Herren-Gruppe ein.

Wenn ich eine Dame im Rollstuhl durch den Garten schiebe, bleiben wir bei jeder neuen Blüte stehen und bewundern sie. Dann kommt bei der Frau ihre Vergangenheit hoch. Ich kenne ihre Geschichten alle schon. Aber ich ermutige sie, sich zu erinnern. Und ich freue mich mit ihr, dass der Himmel blau ist, dass die Sonne auf uns herunterscheint. Und letztlich gibt mir die Freude dieser dementen Frau selbst so viel, dass ich noch zu Hause daran denke. Manchmal bleibt man einfach auch nur dabei sitzen und schweigt und streichelt vielleicht eine Hand. Zum Beispiel, wenn Tränen fließen. Auch das kann helfen. Wir Grünen Damen und Herren brauchen Nachwuchs. Jeder Neuling bekommt eine Einführung, sie oder er ist unfallversichert und hat immer Rückhalt in der Gruppe. Es sollten viel mehr Leute ausprobieren, einmal Zeit zu schenken und beschenkt zu werden. Gestern erst hat eine alte Dame, die sonst nur schweigt, meine Hand ge

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