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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2017
Bevor es zu spät ist
Wie junge Menschen vor gewaltbereiten Salafisten bewahrt werden können
Der Inhalt:

»Gebt den Kindern Freiraum!«

von Martina Läubli vom 27.01.2017
Viele Mütter und Väter sind heute dauergestresst. Wie Eltern zu mehr Gelassenheit finden, diagnostiziert die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm

Publik-Forum: Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umsehe, stelle ich fest: Es ist ganz schön anstrengend, Kinder großzuziehen. Muss das denn so sein?

Margrit Stamm: Viele Eltern empfinden sich als 24-Stunden-Sklaven. Natürlich muss das nicht so sein. Doch dafür müssten Eltern von ihrem Perfektionsanspruch wegkommen. Ein Großteil der Eltern will perfekt sein – dies zeigen unsere Forschungen. Dabei reicht es völlig, hinreichend gute Eltern zu sein. Das ist sogar besser für die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Kinder. Es ist nicht günstig für die Entwicklung, wenn überbehütende Eltern versuchen, ihrem Kind alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Warum?

Stamm: Beim Behüten geht es immer auch um Kontrolle. Wenn Eltern alles kontrollieren, bleiben die Kinder von ihnen abhängig und entwickeln kein Selbstbewusstsein. Es gibt heute 18-Jährige, die bei jeder Entscheidung die Eltern fragen! An der Universität Fribourg tauchen bei den Eröffnungsveranstaltungen für Studienanfänger immer mehr Eltern auf. Das ist neu. Die Eltern behüten noch ihre zwanzigjährigen Söhne und Töchter. Solche Kinder werden nicht erwachsen, entwickeln keine Frustrationstoleranz.

Ist es denn falsch, das Beste für sein Kind zu wollen?

Stamm: Nein, das wollen alle Eltern. Aber trotzdem sollte man das Kind als eigenständige Person wahrnehmen, die im Leben selbst Schritte vollziehen muss. Es geht darum, das Kind auch loszulassen.

Woher kommt dieser Druck zur Perfektion?

Stamm: Das Verhalten der Eltern ist eine Reaktion auf die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung. Heute haben wir einerseits sehr viel mehr berufliche Möglichkeiten und eine große internationale Mobilität. Andererseits ist unsere Gesellschaft von Unsicherheit gekennzeichnet. Man muss stärker kämpfen um Ausbildung und Job. Als soziale Wesen vergleichen wir uns in der Situation der Unsicherheit mit anderen. Die Vergleichskultur ist enorm! Unter Nachbarn oder Kollegen spricht man dauernd darüber, was die eigenen Kinder so machen, was sie schon können, was man als Familie gemeinsam unternimmt …

Neben dem Perfektionsdruck kritisieren Sie auch den Bildungsdruck. Aber die Chance auf Bildung ist doch etwas P

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