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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Sehr geehrte Frau Wandmüller!

Ich möchte Ihnen noch einmal schreiben und mich für Ihre durchaus kritischen Gedanken zum Gesprächsprozess in unserer römisch-katholischen Kirche bedanken, den meine Bischofskollegen und ich Anfang 2011 so hoffnungsfroh angestoßen haben. Es war zunächst einmal gut und richtig, dass wir beide zu Beginn gemeinsam über das Wetter gesprochen haben. Denn dieses kommt von Gott, unserem Schöpfer. Und schon waren wir in einem anregenden Gespräch über unseren gemeinsamen Glauben. Und darauf kommt es doch entscheidend an!

Auch möchte ich im Nachgang zu unserem Gespräch anregen, den Dialog über die schwierige Situation unserer Kirche durch gemeinsames und intensives Schweigen miteinander zu vertiefen. Im Sinne der mystischen Frömmigkeitstradition käme es darauf an, den Dialog durch vertrauendes und einander annehmendes Schweigen zur tiefsten Tiefe oder auch höchsten Höhe und damit zu seiner Vollendung zu führen. Worte sind wie Windhauch. Wie wäre es also vielleicht mit einem gemeinsamen Schweige- Wochenende?

Auch sollte der Gesprächsprozess keinerlei Bekümmernisse bringen. Er darf und soll alles – nur eines nicht: das vertrauensvolle Miteinander- Schwingen im Glauben stören. Als Bischof ist es mir vom Herrn aufgetragen, die Einheit zu bewahren. Sie ist dem Dialog vorgeschaltet. Unterschiedliche Vorstellungen über den zukünftigen Weg der Kirche sollten diese Einheit nicht infrage stellen. Frauenpriestertum, Zölibat, Mitwirkung der Laien – das sind unwichtige, vom Zeitgeist beförderte Marginalien. Damit sollten wir den reinen Glauben nicht beflecken. Der Dialog – ich erinnere daran – ist ein geistlicher Prozess. Da kann und sollte man nicht über alles Mögliche reden. Weniger ist mehr.

Ab