Nicht ohne Revolution
Während der Reformator Martin Luther noch wortgewaltig gegen das Papstamt wetterte und es als »antichristliche« Institution brandmarkte, scheint dieses Amt manche seiner protestantischen Nachfahren inzwischen eher zu faszinieren. Immer wieder kursiert in den Reihen evangelischer Kirchenführer die Idee, das absolutistisch regierende Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche könne doch vielleicht als Sprecher der gesamten Christenheit fungieren und so der Stimme der Christen weltweit größeres Gewicht geben – immer mit dem Zusatz versehen, dass sich der Inhaber dieses hohen Amtes selbstverständlich in seinem Selbst- und Amtsverständnis wandeln müsse.
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Protestantische Stimmen Der scheidende evangelische Landesbischof Bayerns, Johannes Friedrich, kann sich den Papst als Sprecher der Christenheit vorstellen. Die mediale Öffentlichkeit behandle ihn bereits so. Dagegen hält Walter Fleischmann-Bisten, Generalsekretär des Evangelischen Bundes, das Papstamt »von seiner historischen Entwicklung her und wegen der von keiner anderen Kirche geteilten Machtfülle für eine solche Funktion ganz und gar ungeeignet«. Friedrich Weber, Landesbischof in Braunschweig, kann sich ein Sprecheramt nur im Rahmen einer Gemeinschaft gleichberechtigter Kirchen vorstellen.
