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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Ein wahnsinniger Kampf

von Norbert Copray vom 04.05.2012
Was Deutschland 1945 in den kollektiven Untergang trieb

Ian Kershaw Das Ende Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. Buch: DVA. 704 Seiten. 41 Abb. 29,99 € Feature: 3 CD. Hörverlag/hr2. 204 Min. 24,99 €

Warum haben die Deutschen 1944 und 1945 sehenden Auges bis zu ihrem Untergang gekämpft? Wie kam es zu dieser kollektiven Selbstvernichtung? Diese Frage treibt nicht nur Kriegsgenerationen und unmittelbare Nachkriegsgenerationen um, sondern auch später Geborene. Denn was damals vor sich ging, ist nicht so einfach zu begreifen. Bis die Rote Armee vor der Reichskanzlei stand und allein vor Berlin etwa 170 000 Soldaten gefallen und 500 000 verwundet worden waren, funktionierten noch wesentliche Teile der öffentlichen Ordnung des sogenannten Dritten Reiches, sofern sie nicht von den Alliierten besetzt waren. Wie war das möglich?

Erstmalig widmet sich diesen Fragen in gebotener Ausführlichkeit der international renommierte Historiker Ian Kershaw. Die Antworten bestehen aus einem Bündel von Gründen, die in einem Wechselverhältnis zueinander stehen. Dies macht Kershaw durch seine brillante, analytisch und informativ beispielhafte Darstellung des Untergangs sichtbar.

Die »Anatomie der Selbstzerstörung« der Deutschen nimmt vier Hauptstränge in den Blick: Die an Hörigkeit grenzende Hitler-Gefolgschaft des Nazi-»Quadrumvirats« Martin Bormann, Heinrich Himmler, Joseph Goebbels und Albert Speer – im Abbildungsteil auch mit Fotos erfasst. Die Durchdringung der Gesellschaft von der Front bis ins letzte Dorf durch die NSDAP über überzeugte Parteifunktionäre. Und die Verwandlung der Diktatur in ein Terrorregime gegen das eigene Volk vor allem in den letzten beiden Kriegsjahren. So wurden etwa 20 000 Deserteure von der Westfront durch eigene Leute erschossen.

Hinzu kam der Wahn, auf Wunderwaffen, Fehler der Alliierten, die Wirkung der »verbrannten Erde« und »das Schicksal« inklusive einer angeblich besonderen Mission der Deutschen zu setzen. Nicht zu unterschätzen ist ferner: Das Nazi-Spitzenpersonal wusste, dass es im Falle einer Niederlage dem sicheren Tod durch Erschießen oder durch den Strang entgegensah. Diese Menschen hatten nichts zu verlieren. Also kämpften sie auch aus verzweifelter Arroganz, solange es nur ging, und sahen zu, dass sie alle anderen kontrollierten oder motivierten, es ihnen gleichzutun.

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