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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

»Ein anderer Irak ist möglich«

von Stefan Brües vom 04.05.2012
Eindrücke von einer Reise, dem Alltag der Menschen, ihren Hoffnungen und Ängsten, und einer Friedenskonferenz im Norden des Landes

Im nordirakischen Erbil trafen sich Ende letzten Jahres Gewerkschafter, Menschenrechts- und Frauenorganisationen, Jugendverbände und Friedensgruppen. Anlass war der Internationale Marathon für Frieden und Gewaltfreiheit im Zusammenhang mit einer Konferenz unter dem Motto »Ein anderer Irak ist möglich«. Doch wie leben die Menschen im Irak, wie sieht ihr Alltag aus, ihre Religion, ihre Hoffnung? Mit diesen Fragen habe ich mich auf den Weg gemacht.

Erbil, die Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebietes, ist eine aufstrebende Stadt, eine der wenigen im Irak. Glitzernde Einkaufspassagen, Hotels, das große Vorbild ist Dubai. Der Flughafen ist das Tor zur Welt. Mehrere Millionen Passagiere im Jahr meldet die Homepage des modernen Flughafens. In Erbil empfängt uns eine heiße, sandfarbene Landschaft. Die Fahrt im Kleinbus wird von einigen Checkpoints unterbrochen, nur selten müssen die Pässe vorgezeigt werden.

Erbil, kurdisch Hawler, ist eine uralte Stadt. Die Zitadelle, die über der Stadt thront, ist mindestens 4000 Jahre alt. Leider ist die Zitadelle heute das einzige Zeugnis der alten Zivilisationen. Bis heute wohnen Menschen in dem mehrere Quadratkilometer großen Komplex, der einst der Mittelpunkt einer der größten Städte der Welt war. In Ankawa, dem christlichen Stadtteil von Erbil, empfängt uns Paolos Shamon im großen, repräsentativen Chaldäischen Kulturzentrum. Er führt uns in den Theatersaal, in dem assyrische Kultur gezeigt und gepflegt wird. Auch Sprachkurse in Aramäisch, der Sprache Jesu, finden hier statt. Shamon erläutert, dass dieses Kulturzentrum von der kurdischen Autonomieregierung finanziert worden ist. Der Verein habe 2000 Mitglieder. Aber es sei kein religiöses Zentrum. Diese Trennung – so lässt sich zwischen den Zeilen hören – ist kein Zufall, sondern auch eine Schutzmaßnahme: Die letzte Station, die der chaldäische Bischof von Mosul, Paulos Faraj Rahho, 2008 besuchte, bevor er in Mosul entführt und ermordet wurde, war dieses Kulturzentrum. Und die Wohnungen, die im oberen Stock des Kulturzentrums untergebracht sind, beherbergen Christen, die aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aufgrund von Verfolgung in die Stadt getrieben wurden.

Womöglich aus der Nähe von Atrush, das in den Bergen Richtung Mosul liegt. Hier leben 120 Christen in einem Dorf mit ockerfarben getünchten Häusern. Die Menschen leb

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