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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Von Jerusalem in die messianische Endzeit

Warum jubeln evangelikale Christen über die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem? Sind sie verantwortlich für Trumps Neuausrichtung der Israel-Politik?

Als das Weiße Haus Anfang Dezember die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt verkündet, ist die Mehrheit der Welt schockiert. Unter den rund achtzig Millionen Evangelikalen in den USA bricht dagegen Jubel aus. Donald Trump löst damit ein Wahlversprechen an sie ein. Für sie erscheint es so: Er fügt sich ihrem Druck. Einem Druck, den diese Frommen ihm die letzten Monate wegen der Jerusalem-Frage gemacht hatten.

Fast täglich gehen prominente Evangelikale im Weißen Haus ein und aus. Ohne deren Unterstützung säße Trump dort heute nicht; immerhin zählt jeder vierte US-Bürger zu einer evangelikalen Kirche, deren Gläubige zu 81 Prozent Trump wählten. Der Einfluss der Evangelikalen auf die amerikanische Politik ist spürbar gewachsen. »Trotzdem gibt es unter den Evangelikalen ganz unterschiedliche Gruppen. Die aktuellen Jubler nennt man Dispensationalisten«, erklärt Jörg Bickelhaupt vom Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Schätzungsweise machen Dispensationalisten ein Drittel der Evangelikalen aus. Sie folgen einer heilsgeschichtlichen Bibelauslegung, die die Welt in verschiedene Epochen (Dispensationen) einteilt. Demnach prüft Gott in jedem Zeitalter die Menschheit auf je verschiedene Weise. Am Ende der Zeiten, so der Glaube der Dispensationalisten, werde es in Jerusalem zu einer Massenbekehrung der Juden zu Jesus als dem Messias kommen. Nun, so freut sich Tony Perkins, Präsident des konservativen Family Research Council, decke sich die US-Außenpolitik mit der »biblischen Wahrheit«, dass Jerusalem »die ewige und unteilbare Hauptstadt des jüdischen Staates« sei. Eines Staates, dessen Einwohner sich – wie