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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Gott, Welt und sehr viel Wein

von Anne Strotmann vom 12.01.2018
Theologie, die jeder versteht: Beim Science-Slam unterhalten junge Theologen das Publikum mit ihren Arbeiten

Die Kirche verreckt an ihrer Sprache«, urteilte vor einiger Zeit der Politikberater Erik Flügge. Acht junge Theologen und Theologinnen lassen das nicht auf sich sitzen und wagen das Experiment: Sie verlassen die Einsamkeit der universitären Schreibtische und setzen sich der Bewertung durch ein Publikum aus. Die Evangelische Akademie Frankfurt hat erstmalig zum theologischen »Science-Slam« eingeladen. Verdecktes Gütekriterium: Es muss möglich sein, entspannt Wein oder Bier zu trinken, während man einem theologischen Vortrag lauscht.

Beim Science-Slam, inspiriert vom schon länger bekannten Poetry-Slam, treten junge Wissenschaftler mit Kurzvorträgen gegeneinander an: witzig oder poetisch, aber immer unterhaltsam und auf dem aktuellen Stand der Forschung. Warum ist die Kirche eigentlich so unflexibel? Was hat Trinität mit Kunst zu tun? Wie haben Exorzismusfilme die katholische Exorzismus-Liturgie beeinflusst und umgekehrt? Gab es zu Reformationszeiten schon Filterblasen und Hassreden wie heute im Internet? Was ist eine christliche Tierethik? Am Ende stimmt das Publikum darüber ab, welcher »Slammer« als Sieger die dreißig Flaschen Wein mitnehmen darf, die die Evangelische Akademie an diesem Abend als Preis stellt.

Die komplexeste, poetischste Multimedia-Collage aus Text, Ton und Bild gelingt an diesem Abend Johanna Hammann. Die Gießener Theologin erforscht, wie die beliebten Animationsfilme des Unternehmens Pixar Sehnsucht beschreiben und was das mit Religion zu tun hat. Über das Publikum fluten Texte, Bilder, Szenen: Noch versucht man, das Schleiermacherzitat an der Leinwand zu verstehen, während sich zu Herzen gehende Zeichentrickbilder darüberschieben, da klingt auch schon Popsängerin Nena ans Ohr: »Im Sturz durch Raum und Zeit, Richtung Unendlichkeit fliegen Motten in das Licht, genau wie du und ich.« Jedem, der sich zu Religion hingezogen fühle, meint Hammann, gehe es wohl so wie diesen Motten: Orientierungslos, aber brennend vor Sehnsucht, fliegen wir auf ein Licht zu, und am Ende sterben wir. Es sei für den Menschen unerträglich, still und einsam unter der Begrenztheit des Lebens zu leiden. Er muss sehnsüchtig sein und diese Gefühle teilen. Die Kirche, sagt Hammann, ist »eine soziale Gemeinschaft, in der wir den Schutzraum finden, den wir für so etwas Fragiles brauchen«.

Ach, könnte man doch nur von der Kir

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