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Gott neu denken

Kann sich der Glaube mit den Naturwissenschaften aussöhnen? Wie neue philosophische Ansätze das gegenseitige Misstrauen durchbrechen könnten
von Michael Schrom vom 12.01.2018
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Als Niko in die fünfte Klasse ging, sollte er im Religionsunterricht eine Bildergeschichte malen, wie er sich den Ursprung der Welt vorstelle. Niko malte einen hellen Kreis inmitten einer dunklen Fläche, er zeichnete den Mond in der Nacht und die Sonne am Tag, malte Meer und Himmel und schließlich Engelszwerge, die auf der Erde Bäume pflanzten. Ganz ähnlich wie es im biblischen Schöpfungsmythos beschrieben wird. In der siebten Klasse wurde ihm dieselbe Aufgabe noch einmal gestellt. Nun gibt es auf seiner Zeichnung keine Gliederung nach Tagen mehr, sondern nach Jahrmillionen. Es tauchen Dinosaurier auf und irgendwann ein nackter Mensch. Im Religionsunterricht hat Niko mittlerweile gelernt, dass die Bibel nicht wörtlich zu nehmen ist. Er versucht daher, den Glauben an den Schöpfergott irgendwie mit der Evolutionslehre zu verbinden und kommentiert seine Zeichnung mit dem Satz: »Vielleicht hat Gott ja den Urknall erschaffen.« Wieder zwei Jahre später – Niko ist mittlerweile in der neunten Klasse – zeigt sich eine noch deutlichere Verschiebung hin zu einem naturalistischen Weltbild, das ohne Gott auskommt.

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