Die Kraft der Verschiedenen
»Wir haben dreißig Wochen lang vor dem Ulmer Münster demonstriert, seit wir wussten, dass unsere Mitbürgerin Mesale Tolu mit ihrem kleinen Sohn in der Türkei inhaftiert ist, völlig grundlos«, sagt Cengiz Dogan ins Saalmikrofon im Ulmer Einstein-Haus: »Und heute feiern wir ihre Befreiung. Ja, wir feiern die Kraft der Verschiedenen, denn wir Freunde in der Solidarität sind tatsächlich recht unterschiedlich.« Dann bricht dem Elektroingenieur vor Freude und Rührung die Stimme. Er spricht vor seinen Mitstreitern. Im Saal haben sich jene versammelt, die seit dem 12. Mai an jedem Freitag Mahnwache hielten für die 33-jährige Journalistin Tolu. Sie stimmen gemeinsam das alte Demokratielied an: »Die Gedanken sind frei.« Wie bei jeder ihrer Solidaritätsdemos. Die wurden teils von Erdogan-Fans gestört.
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