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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Alle Register gezogen

Barockmusik. Als »größten Opernkomponisten aller Zeiten« hat der vor zwei Jahren verstorbene Dirigent Alan Curtis einmal Georg Friedrich Händel bezeichnet. Auch wer diese Meinung des glühenden Händel-Verehrers bisher nicht teilte, dem sei das Album »Mitologia« empfohlen, das sich mit Händels Vertonungen der römischen und griechischen Mythologie beschäftigt. Gleich zu Beginn wartet die CD mit zwei Arien aus »Parnasso in festa« auf, einer Serenata, die Händel 1734 anlässlich einer königlichen Hochzeit in London komponiert hat. Romina Basso (Mezzosopran) gibt die aufgewühlte Calliope und Christiane Karg (Sopran) im Anschluss den wehklagenden Orfeo. Den beiden Sängerinnen scheinen dabei weder in technischer Hinsicht noch im Ausdrucksspektrum Grenzen gesetzt. Wo Basso ein effektvolles Feuerwerk abbrennt, rührt Karg mit verinnerlichtem Gesang und endlosem Atem. Dabei gerät dies nie zum Selbstzweck, sondern dient stets der glaubhaften Rollengestaltung, der Entwicklung eines Charakters innerhalb weniger Minuten. Unter Alan Curtis’ Leitung braucht es eben nicht die Zeitspanne einer gesamten Oper, um lebendige Figuren zu erschaffen. Wenn Leidenschaft, technische Raffinesse und außergewöhnliche Fachkenntnis zusammentreffen, dann springt der Funke auch in einer Kompilation über, und die Bühne scheint zum Greifen nah. Weshalb dieses Projekt, das bereits im Mai 2012 eingespielt wurde, erst so spät auf den Markt findet, ist nicht nachvollziehbar – aber besser spät als nie. Und so wird »Mitologia« zum Vermächtnis eines Dirigenten, der mit zwei furiosen Solistinnen noch einmal alle Register zieht.

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