Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

Von Berlin nach Aleppo

von Reimar Paul vom 13.01.2017
Ein Zeichen setzen: Fußpilgerweg des Friedens gegen das Töten in Syrien

Täglich wollen sie an die dreißig Kilometer zu Fuß gehen, gut dreieinhalb Monate lang – von Berlin bis nach Aleppo. Mit weißen Fahnen haben sich am ersten Weihnachtsfeiertag knapp 400 Frauen und Männer am Tempelhofer Feld in Berlin auf den rund 3200 Kilometer langen Weg gemacht. Im April wollen sie die zerbombte syrische Stadt erreichen.

»Wir wollen damit ein Zeichen der Solidarität setzen«, sagt Thomas Alboth, einer der Initiatoren. Er und seine Frau Anna setzen sich schon länger für Geflüchtete ein; 2016 nahmen sie einen Syrer in ihre Familie auf. Seitdem, so Alboth, »fand der Syrienkrieg für uns nicht mehr nur im Fernsehen und im Internet statt«.

Das Paar und mehrere Freunde verfassten ein Manifest für den Marsch. »Es ist Zeit zu handeln«, heißt es darin. »Wir können nicht weiter vor unseren Laptops sitzen und nichts tun, behaupten, dass wir machtlos sind.« Der Marsch soll der längst versperrten Balkan-Route der Flüchtlinge folgen, in umgekehrter Richtung: von Deutschland über Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei bis Syrien.

Es sind vor allem junge Leute aus Polen und Deutschland, aber auch Syrer laufen mit und Franzosen. Am Silvestertag schließt sich ein Paar aus Italien an. »Wir erwarten von niemandem, dass er die ganze Strecke mitläuft«, steht im Aufruf. »Wir denken dabei eher an eine Art Staffellauf der Solidarität.« Bislang haben mehr als 3000 Menschen im Internet angekündigt, ein Stück des Weges mitzugehen.

Teilnehmer Jens will auf jeden Fall bis Aleppo mitmarschieren. Für ihn zählt: »Mitmachen, Aufsehen erregen, so weit wie möglich denselben langen Weg fußläufig zurücklegen.« Die 16-jährige Felicitas aus München ist in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie erfuhr von Facebook-Freundinnen von dem Friedensmarsch und überredete ihren Vater, mit ihr ein paar Tage mitzugehen. Finanziert wird der Marsch durch Spenden, 19 000 Euro kamen schon zusammen.

Die Teilnehmer werden unentgeltlich verpflegt, abends gibt es für alle ein warmes Essen. Einige Autos transportieren neben dem Gepäck auch Vorräte, Trinkwasser, Kochgerät, Gasflaschen und ein großes Zelt. Initiatorin Anna Alboth ist realistisch. »Ob wir ankommen, weiß ich nicht.« Doch schon in den Orten, durch die sie liefen, haben die Marschierer auf Syrien aufmerksam gemacht

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen