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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

»Sechzig Kinder in einer Klasse«

von Anita Rüffer vom 13.01.2017
Walburga Rehmann-Linden engagiert sich für eine Schule in Lesotho im südlichen Afrika

Wenn es einem selber gut geht, muss man etwas abgeben. Man kann doch nicht einfach nur schön leben – und nichts tun. Das ist meine Einstellung. Aber darüber rede ich eigentlich nicht gerne. Ich handele lieber. Gerade liegt mir die Kingsgate Primary School im Königreich Lesotho – einem kleinen Staat im südlichen Afrika – am Herzen. Auf einer Reise habe ich sie kennengelernt. Und war überrascht, wie direkt die Kinder auf mich zugingen. In der Pause habe ich mit ihnen gespielt: Man wirft einen Stein hoch und nimmt dabei einen zweiten in die Hand. Ich setzte mich zu ihnen auf den Boden, und wir hatten großen Spaß. Ein anderes Mal kamen Kinder mit Rechenaufgaben zu mir. Mir fiel auf, mit welch winzigen Bleistiftstummeln sie schreiben. Und längst nicht alle hatten einen.

Als die Schulleiterin sagte, sie hätte gerne eine Partnerschaft mit einer deutschen Schule, bekam ich sofort Lust, mich dafür zu engagieren. Diese Partnerschaft entsteht gerade mit dem Kolleg Sankt Sebastian, einem katholischen Gymnasium in Stegen bei Freiburg. Aktuell macht ein Abiturient des Kollegs ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Schule in Lesotho. Im Juli war die Schulleiterin der Kingsgate Primary School für zwei Wochen bei uns in Stegen zu Besuch. Vormittags besuchte ich mit ihr Schulen und Kindergärten, nachmittags habe ich ihr den Schwarzwald gezeigt, den Titisee, Freiburg. Sie war beeindruckt von den modernen Schulen, den kleinen Klassen, dem Unterrichtsmaterial. Ein Mathebuch gefiel ihr so gut, ich musste es ihr Seite für Seite ins Englische übersetzen.

Wie anders ist die Kingsgate School: Einmal habe ich dort unterrichtet – eine Klasse mit sechzig Kindern! Ich brachte ihnen deutsche Wörter bei, die dem Englischen ähneln. Zu dritt sitzen sie in einer Bank, die eigentlich für zwei ist. Aber die Kinder sind so konzentriert, antworten im Chor und wollen lernen. Die Schule ist sehr sauber, da liegt kein Fitzelchen Papier auf der Erde. Doch die Plumpsklos sind schrecklich. Sie stinken so sehr, dass die Kinder sie meiden. Unser Freundeskreis Lesotho will der Schule helfen, die Toiletten zu sanieren. Doch es ist schwierig, das Geld dafür zusammenzubekommen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil wir das nicht auf Anhieb schaffen. Überhaupt fühle ich mich manchmal hilflos: Ich sehe an so vielen Orten die Not – und alle Hilfe ist nur ein

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