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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

Die Freiheit der 90-Jährigen

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 13.01.2017
vorgespräch: Regisseurin Karen Breece bringt mit alten Menschen ein Stück zum Thema Leben und Tod auf die Bühne

Publik-Forum: Frau Breece, Sie haben mit alten Menschen ein Theaterstück eingeübt, in dem es um Leben und Tod geht. Wie war es, mit 93-Jährigen zu proben?

Karen Breece: Fantastisch! Das war eine sehr ehrliche Arbeit. Sich über einen so langen Zeitraum intensiv mit alten Menschen zu unterhalten führt einen wieder an das eigene Leben heran. Natürlich steht man als Regisseurin vor Herausforderungen, wenn man mit Menschen probt, die nicht mehr so fit und noch dazu Laien sind. Da geht vieles langsamer. Aber es waren sehr erfüllende Momente. Eine der Schauspielerinnen arbeitet mit ihren 93 Jahren immer noch als Pflegerin in einem Altenheim. Da hat sie natürlich viel zu erzählen!

Was erwartet die Zuschauer bei der Vorstellung von »don’t forget to die«?

Breece: Es ist ein Stück über den Umgang mit dem Tod – und über das pralle Leben. Fünf Menschen zwischen 73 und 93 präsentieren ihre eigenen Geschichten und ihre Vorstellungen vom Tod und was danach kommt. Das bringen wir in einer Mischung aus dokumentarischem Erzählen und Fiktion auf die Bühne. Wir arbeiten dabei auch mit Video-Installationen. Musikalisch wird der Abend übrigens auch: Die Protagonisten singen Lieder ihrer Zeit.

Ein Theaterstück über den Tod - ist das nicht ein sehr trauriger Abend?

Breece: Nein, überhaupt nicht! Es ist ein sehr bunter, lebendiger Abend, bei dem Sie auch herzlich zum Lachen eingeladen sind. Der Humor und die Gelassenheit, mit der alte Menschen dem Tod entgegensehen, sind einzigartig. Es geht ja auch gar nicht nur ums Sterben, sondern darum, zu erkunden: Was bedeutet eigentlich ein gutes Leben? Wie wollen wir die Zeit hier auf Erden verbringen?

Sie haben vorher über ein Jahr lang Gespräche über den Tod geführt. Mit wem?

Breece: Ich habe mich viel mit alten Menschen unterhalten, aber auch mit Bestattern und Hebammen, Physikern und Seelsorgern. Und ich muss zugeben: Als ich bei einer Sargkünstlerin zu Besuch war und zwischen all den Särgen und Urnen saß, wurde es mir schon mulmig. Ich fragte mich, warum das so ist. Es geht ja nicht nur mir so: Der Tod ist häufig ein Tabuthema.

Deshalb bringen Sie ihn auf die Bühne?

Breece: Na ja

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