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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Yoga und Jesus

von Anne Strotmann vom 15.01.2016
Spiritprotokoll: Lothar Wester wollte Priester werden. Jetzt leitet er eine Yogaschule in Paderborn und wiederholt 108-mal am Tag ein Jesus-Mantra

Heute bin ich um sechs Uhr aufgestanden. Meine Yogamatte liegt schon da. Ich habe im Zimmer ein kleines Eckchen, man braucht nur drei, vier Quadratmeter für so was. Da habe ich auch einen kleinen Altar mit einem Bild von Anandamayi Ma, meinem Guru. Man tut sich ja oft schwer mit dem Wort »Guru«, aber für mich ist das schon so. Ich habe sie persönlich gar nicht kennengelernt, sie ist Anfang der 1980er-Jahre verstorben. In Indien habe ich in einer Hütte zufällig vor ihrem Bild meditiert. Da habe ich sofort eine starke Anziehung gespürt. Von diesem Moment an hat es nie einen Zweifel in mir gegeben.

Im Sommer bin ich auch gerne draußen. Vor Sonnenaufgang gehe ich mit dem Hund auf einen Berg und mache meine Übungen dort. So früh morgens ist auch noch kein anderer draußen. Der Hund kennt das schon. Er findet das zwar tödlich langweilig, aber das ist okay für ihn. Er läuft so lange frei und bleibt in der Nähe.

Der Sonnenaufgang ist für mich nicht unbedingt rituell, aber es gibt im Yoga darüber eine interessante Theorie: Über den Tag verteilt atmet man mal mehr durch das eine, mal durch das andere Nasenloch. Wenn man durch das rechte Nasenloch atmet, ordnet man das eher der aktiveren Zeit des Tages zu, wenn man durch das linke atmet, der passiveren Zeit. Zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind die Nasenlöcher tendenziell gleich frei – meine Erfahrung ist das auch. Da ist man mehr in der Mitte, da ist man klar. Zum Sonnenuntergang bin ich leider immer mit Unterrichten beschäftigt.

Ich bin Yogalehrer und kann deshalb sehr tief einsteigen. Das ist noch mal ein ganz anderer Antrieb, sich damit zu beschäftigen und dranzubleiben, als wenn man das neben der Arbeit macht. Yoga ist mit Sicherheit das älteste und größte Übungssystem der Welt. Ich sehe nicht, dass ich damit jemals zu einem Ende komme.

Anderthalb Stunden habe ich heute Yogaübungen gemacht. Die aber auch darauf abgestimmt waren, was ich heute Abend in der Gruppe unterrichte. Die Körperübungen, die ich praktiziere, sind eher gemäßigt. Ich war noch nie jemand, der irgendeine Sache extrem betrieben hätte. Ich habe nicht den Ehrgeiz, tolle Yogakörperhaltungen zu lernen.

Eine Viertelstunde jeden Tag mache ich Energieübungen, die nur für mich sind. Ich versuche mit Atempausen Energie zu lenken. Das ist schon fortgeschrittener.

Nachmittags vor dem U

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