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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Sind Christen geisteskrank?

von Wolfgang Kessler vom 15.01.2016
Zwischenruf: Zu Recht kritisieren Atheisten religiösen Fanatismus. Leider werden sie dabei oft selbst zu Fanatikern

Eigentlich diskutiere ich gerne mit Atheisten. Denn als Christ habe ich auch viele Fragen an den Glauben. Allerdings habe ich jüngst einen aggressiven wie primitiven Atheismus erlebt, der mir die Sprache verschlägt: Die Religionskritiker, die mir begegnet sind, bewegen sich auf der gleichen geistigen Ebene wie christliche Fundamentalisten oder militante Islamisten. Wie religiöse Fundamentalisten malen auch sie ein Zerrbild von Religion, um dieses dann genussvoll zertrümmern zu können.

Für Kabarettisten wie Volkmar Staub, Florian Schröder und Thomas Reis, die kürzlich in meinem Lieblingskabarett in Frankfurt auftraten, ist Religion schlicht eine »Wahnvorstellung«. Faktisch heißt dies: Gläubige in die Psychiatrie. Wer glaubt, dass Wissenschaftler anspruchsvoller reden als Kabarettisten, wird in einem »Spiegel«-Gespräch eines Besseren belehrt: Dort nimmt der britische Astrophysiker Henry Moore, der in Zürich immerhin den Lehrstuhl von Albert Einstein innehat, die Bibel so wörtlich wie christliche Fundamentalisten. Und stellt fest: »In der Bibel wird ziemlich viel getötet.« Deshalb seien wir »so lange in einem dunklen Zeitalter gefangen, wie wir die Religionen nicht loswerden«. Besonders verhasst sind ihm die »Banden und Horden, die sich Kirche nennen«.

Nun ist auch mir nicht verborgen geblieben, dass fanatische Christen, Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten oder andere im Namen ihrer Religion schwere Verbrechen begangen haben und begehen. So mancher Bischof oder Mullah schürt die Angst vor der Rache Gottes. Andererseits brauchten Nazis, Stalinisten und andere Diktatoren keinen Gott, um ihre Massenmorde zu begründen. Auch so mancher Kapitalist geht ohne religiösen Glauben über Leichen. Wer einmal in den düsteren Vororten von Paris und Brüssel war, stellt schnell fest, dass junge Terroristen viel stärker von den sozialen Verhältnissen getrieben werden als vom Koran. Und haben nicht Physiker auf ihrer – angeblich rein wissenschaftlichen – Suche nach der Atombombe völlig übersehen, was sie anrichten kann?

Jede Ideologie und viele wissenschaft liche Erkenntnisse können für das Gute und für das Böse verwendet werden – ebenso wie jede Religion. Doch die Chance für das Böse wird umso größer, je stärker die Religiösen Atheisten zu Wahnsinnigen erklären oder Atheisten Gläubige. Denn der Wunsch, die Religionen loszuwerden, wird ein frommer bleiben. Viele Menschen werden immer neu

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