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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Gletschersee im Gepäck

von Knut Henkel vom 15.01.2016
Ein Kleinbauer aus Peru klagt gegen den Energieriesen RWE

Wir Familien haben Angst vor dem, was passieren könnte. Also müssen wir handeln«, sagt Saúl Luciano Lliuya. Der 35-jährige Peruaner ist derzeit zum ersten Mal in Europa unterwegs – in wichtiger Mission: Er klagt gegen den Essener Stromanbieter RWE. Die CO2-Emissionen des Kohlestrom-Konzerns lassen die Gletscher in den Anden schmelzen und gefährden damit sein Eigentum und das seiner Freunde und Nachbarn. Das will sich Lliuya nicht länger gefallen lassen.

Für die Menschen in seiner Heimat ist er ein Held. In Quebrada de Cojup, einem kleinen Dorf am Fuße des Aufstiegs zum türkis schimmernden Gletschersee Palcacocha, kennen ihn fast alle Bewohner. Sie unterstützen den peruanischen Kleinbauern und Bergführer, der immer wieder zum Gletschersee hinaufsteigt, bei seiner Mission. Und sie hoffen, dass er erfolgreich sein wird. »Die Leute dort oben werden die ersten sein, die von der Flutwelle weggespült werden«, erklärt der kleingewachsene Lliuya. Er kommt aus Huaraz, der 120 000 Einwohner zählenden Stadt weiter unten im Tal, die eingezwängt zwischen weißen Bergen und Gletschern liegt.

Dort lebt er mit seiner Familie – rund 9500 Kilometer entfernt von der RWE-Zentrale in Essen. Gegen den zweitgrößten europäischen Energieerzeuger hat Lliuya Klage am Landgericht Essen eingereicht. »Wir haben lange überlegt, was wir machen können, um zu verhindern, dass wir von einer Flutwelle weggespült werden. Nun wollen wir diejenigen zur Verantwortung ziehen, die für die Gletscherschmelze mitverantwortlich sind«, sagt er.

RWE gehört mit seinen Kohlekraftwerken zu den größten CO2-Emittenten Europas und trägt folgerichtig zur weltweiten Gletscherschmelze bei. Davon ist Peru genauso wie Bolivien überdurchschnittlich stark betroffen. »Die Verursacher müssen Verantwortung übernehmen«, fordert Saúl Luciano Lliuya.

Die lokale Regierung kümmere sich nicht um die Abwendung der drohenden Katastrophe. »Korruption und Missmanagement sind in Huaraz und in anderen Regionen Perus weit verbreitet«, kritisiert der peruanische Kleinbauer. Also suchte er nach Alternativen und fuhr im Dezember 2014 nach Lima zum Klimagipfel. Dort knüpfte er Kontakte mit der deutschen Klimaschutzorganisation Germanwatch. So entstand die Idee, RWE aufzufordern, aktiv zu werden. Im März 2015 ging das Schreiben bei den Konzernanwälten ein. Wenige Wo

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