Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Ein Glücksfall für das Leben

von Josefine Janert vom 15.01.2016
Der andere Sozialkonzern: Die SozDia-Stiftung kümmert sich in Berlin um Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Manchen gelingt ein erstaunlicher Lebensweg. Ein Besuch bei den Mitarbeitern Daniela Hartert und Christian Rudolph

An der Tür hängt ein Schild: »Besprechung – bitte nicht stören«. Sie wird trotzdem zaghaft geöffnet. Ein blonder Junge schaut in das Zimmer von Kita-Leiterin Daniela Hartert. Stolz zeigt er ihr ein Bild: ein Haus, eine Wiese, eine Sonne. »Hab ich gemalt. Das möchte ich der Kita schenken«, sagt er. »Das ist ein schönes, freundliches Bild«, lobt die 36-jährige Pädagogin. Dann bespricht sie mit dem Kind, wo das Werk seinen Platz finden wird – im Erdgeschoss neben den Aushängen. »Nachher komme ich zu dir, und dann hängen wir es gemeinsam auf.«

Die Kita Hummelflug steht in einem ehemaligen Arbeiterviertel in Berlin-Treptow. Etwa 90 Kinder werden von 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Die Chefin trägt blonde Rastalocken und einen karierten Minirock zu schwarzen Strumpfhosen. Wenn sie redet, tanzen ihre Hände, die braunen Augen leuchten. Daniela Hartert wohnte als Jugendliche zwei Jahre lang in einem besetzten Haus und verbrachte ihr Leben auf der Straße. Dass sie sich gefangen und eine Ausbildung gemacht hat, dass sie heute die Kita leitet, ist ein Glücksfall für sie selbst und für Hummelflug. Es ist ihrem unerschöpflichen Lebensmut und auch den Menschen vom Verein Sozialdiakonische Jugendarbeit Lichtenberg zu verdanken.

500 engagierte Mitarbeiter

Hartert wuchs in Rostock auf. In den Wirren nach der Wende trampte sie mit einer Freundin nach Berlin und fand Unterschlupf in dem besetzten Haus in der Pfarrstraße. Da war sie zwölf. Jede Woche steckten ihr Mitarbeiter des Jugendamtes Geld zu, sodass sie sich Kleidung und Essen kaufen konnte. Ansonsten blieb sie sich selbst überlassen. Sie schloss sich den Punks an, Jugendlichen mit bunten Haaren, die mit der kapitalistischen Leistungsgesellschaft nichts anfangen konnten. Manchmal trank sie Alkohol, lernte auf der Straße Leute aus gefährlichen Milieus kennen. Schließlich wollte Daniela Hartert wieder die Schule besuchen. Der Vater wohnte nach wie vor in Rostock, die Mutter hatte sich in den Westen abgesetzt und ließ nichts mehr von sich hören. Hilfe fand das Mädchen in der Pfarrstraße 111. Dort hatten Menschen vom Verein Sozialdiakonische Jugendarbeit Lichtenberg ein Projekt mit Punks, Skinheads und Hooligans begonnen, sanierten mit ihnen ein baufälliges Haus. Ein Sozialarbeiter übernahm die Vormundschaft und unterstützte Daniela. »Ich bin heute dank

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen