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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

Ausbruch aus dem Getto

von Hartmut Meesmann vom 15.01.2016
Warum »Publik« einst eingestellt und »Publik-Forum« gegründet wurde hat ein Historiker untersucht

Wieso gibt es eigentlich Publik-Forum? Es gibt diese Zeitschrift seit Januar 1972, weil zwei Monate zuvor die damalige »liberale« katholische Wochenzeitung Publik von ihren Herausgebern, den deutschen Bischöfen, eingestellt wurde – nach nur dreijährigem Bestehen. Und weil politisch und kirchlich engagierte Katholikinnen und Katholiken mit dieser bischöflichen Entscheidung überhaupt nicht einverstanden waren.

Der »Tod von Publik« war ein hoch dramatisches Ereignis. Denn die Zeitung war ein Symbol, ein Katalysator. Publik stand für den Versuch einer Öffnung des geschlossenen katholischen Milieus. Dieses wollte keine innerkirchlichen Reformen und war politisch eng mit den C-Parteien verbandelt. Dass ein Katholik SPD oder FDP wählte, war in den Augen der »guten Katholiken« geradezu ein Sakrileg.

Doch das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) stand für die Erkenntnis, dass eine autoritäre Zentralisierung im Inneren und eine Abschottung der Kirche von der »bösen Welt« nur ins Getto führen. Publik warb daher für das Gespräch mit Andersdenkenden – auch außerhalb der Kirche. Die Wochenzeitung stand für eine »Demokratisierung« der katholischen Kirche und für die Anerkennung eines theologischen und kirchenpolitischen Pluralismus.

Die Redaktion musste aber von Anfang an gegen den massiven Widerstand des konservativen CDU-Katholizismus ankämpfen, der dieses »linke Blatt« einfach nicht wollte. Und auch die Kirchenpresse wehrte sich gegen den unliebsamen Konkurrenten.

In seiner kirchengeschichtlichen Dissertation »Der Fall ›Publik‹« analysiert und kommentiert Florian Bock sehr detailliert die heftigen Auseinandersetzungen der Jahre zwischen 1967 und 1972 um die Pläne für eine Gründung einer katholischen Wochenzeitung, sodann um die Ausrichtung der Redaktion und das Ende des Blattes: ein spannender Einblick in ein Stück katholischer Zeitgeschichte und in die damalige, stark ideologisierte Debatte zwischen Konservativen und Reformern.

Offiziell wurde Publik aus finanziellen Gründen eingestellt. Die Bischöfe wollten nicht jedes Jahr sechs Millionen Mark in das Wochenblatt pumpen – und das unbefristet, hieß es. Florian Bock urteilt zutreffend: »Die ökonomische Misere … wurde durchaus gekonnt als Hebel benutzt, um inhaltliche Debatten als Grund für die Einstellung von Publik in der Öffentlichkeit erst gar

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