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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2016
Ohne Hoffnung keine Zukunft
Der Inhalt:

»Alles – nur nicht aufgeben!«

von Chrissi Wilkens vom 15.01.2016
Der pensionierte Arzt Giorgos Kaliampetsos behandelt in Athen verarmte Griechen und Flüchtlinge

Meine größte Angst ist, mich auf mein Sofa zu verkrümeln und untätig zuzuschauen, wie die Not der Kranken und Verarmten immer größer wird. Der Mensch muss als aktiver Bürger handeln. Wenn ich aufgebe und mich aufs Sofa verkrieche und resigniere, kommt das Ende.

In der Sozialen Arztpraxis im Stadtteil Elliniko in Athen arbeite ich ehrenamtlich. Wir haben sehr oft Fälle von Personen mit psychischen Krankheiten. Früher war dies nicht der Fall. Es sind of schwere Depressionserkrankungen. Manche führen zum Selbstmord. In den vergangenen Krisenjahren hat sich die Suizidrate in Griechenland rasant erhöht. In Burkina Faso, wo ich mit der von mir mitgegründete Hilfsaktion Fair Planet unterwegs war, ist das anders. Dort sind die Menschen gewöhnt, so zu leben. Bitterarm.

In Griechenland wurde den Menschen sehr plötzlich und sehr gewaltsam das genommen, was sie hatten. Als ich noch Arzt in einem staatlichen Krankenhaus war, habe ich nie daran gedacht, dass es so kommen würde. Es war uns bewusst, dass sich etwas ändern wird, doch wir konnten uns das Ausmaß der Krise nicht vorstellen. Wir dachten, wir werden halt alle weniger verdienen, aber wir rechneten nicht damit, dass nahezu alle Sozialleistungen gestrichen werden. Dass also der Sozialstaat in Griechenland zerstört wird, der den Bürgern eh nicht viel zu bieten hatte. Die Lage in den Krankenhäusern ist sehr schlimm. Sie war auch vor der Eurokrise nicht gut.

Oft erinnert mich die Not in Athen an das, was ich in Afrika erlebt habe. Die neoliberale Wirtschaftspolitik herrscht global. Burkina Faso, meine zweite Heimat, erhielt Kredite, angeblich um die Wirtschaft zu stabilisieren. Darauf versank es in Schulden. Ähnlich geschah es bei uns in Griechenland. Überall dort, wo der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank präsent waren, kam es zu Dramen. Es mag sein, dass sich die Finanzindikatoren stabilisieren, die Lebensbedingungen der Leute aber werden nicht verbessert. Auch in Griechenland: Menschen, die vor Hunger sterben, Menschen, die Selbstmord begehen!

Wir versuchen den Menschen Kraft zu geben und Mut für das, was sie durchmachen. Wir müssen uns noch sehr anstrengen und Druck auf die Regierung ausüben, um die Lage im Gesundheitssektor zu verbessern. Ein Riesenproblem bildet die V

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