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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2015
Die bedrohte Demokratie
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Kämpferin

von Bettina Röder vom 16.01.2015
Libby Lane, die anglikanische Pfarrerin aus Hale bei Manchester, wird in diesem Monat zur ersten Bischöfin in England geweiht

Auf den meisten Fotos sieht man sie lachen. Libby Lane trägt gern farbige Tücher und unter ihrem Jackett selbstbewusst das schwarze Kollarhemd mit dem weißen Steg am Hals. Was hierzulande als eher konservative Pfarrerkleidung gilt, ist es für sie ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Libby Lane wird Mitte Januar in der Kathedrale von York zur ersten Bischöfin in der Kirche von England geweiht. Die anglikanische Theologin wird Bischöfin von Stockport im Nordwesten des Landes. Premierminister David Cameron sprach von einem »wichtigen Schritt zu mehr Gleichberechtigung in der Kirche«. Und dafür hat die 48-Jährige gemeinsam mit anderen gekämpft.

Noch im November 2012 hatte die Generalsynode der Kirche von England überraschend dagegen gestimmt, dass Frauen das Bischofsamt übernehmen können. Nicht die Geistlichkeit, die Laien gaben dafür den Ausschlag. Weit über die Landesgrenzen hinaus hagelte es Kritik. Seither hat der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, das geistliche Oberhaupt, unermüdlich Überzeugungsarbeit geleistet. Bis im letzten Jahr die Synode sich erneut des Themas annahm und mit großer Mehrheit zustimmte.

Doch für Libby Lane, die in Glosshop geboren wurde und in Manchester und Oxford eine erstklassige Ausbildung genoss, war das nicht der erste Kampf im Leben. Gemeinsam mit ihrem Mann George, heute auf dem Flughafen von Manchester als Seelsorger tätig, wurde sie 1994 geweiht. Damals gehörte die Theologin, die auch Fan des Fußballclubs Manchester United ist, zur allerersten Gruppe von Frauen, die zum anglikanischen Priesteramt zugelassen wurde.

Das Kämpfen in der Gemeinschaft hat sie geprägt. Als sie genau zwanzig Jahre nach ihrer Priesterweihe, im Dezember 2014, in Stockport die allererste Ansprache als gewählte Bischöfin hielt, sagte sie: »Ich bin mir all derer bewusst, die für diesen Tag gebetet, gearbeitet und gelitten haben.« Zuvor aber – als allererste Amtshandlung – bat die Frau, die selbst Mutter zweier Kinder ist, um eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags auf eine Schule in Pakistan. Der hatte in diesen Tagen die Welt bewegt. Dass Reverend Lane, die bisher Gemeindepfarrerin in Hale bei Manchester war, sich so deutlich zum weltlichen Geschehen stellt, gehört zum Selbstverständnis der anglikanischen Kirche. Sie versteht sich als eine in den Schoß der englischen Gesellschaft eingebettete Institution.

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