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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Katzen aus dem Sack

von Hermannus Pfeiffer vom 04.05.2012
Warum die drei großen Ratingagenturen so mächtig sind – und mit ihren Urteilen doch so oft danebenliegen

Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Dies zu verhindern ist die Aufgabe von Ratingagenturen. Jeden Tag bringen Staaten, Banken und Industriekonzerne Hunderte von Anleihen neu auf die Finanzmärkte, um von Anlegern Geld zu leihen. Da ist es gut zu wissen, wie solide die Staaten, Banken und Industriekonzerne wirtschaften. Wird beispielsweise Italien seine Schulden aus einer zehnjährigen Anleihe im Jahr 2022 – Ministerpräsident Berlusconi und seine Affären sind dann längst Geschichte – tatsächlich zurückzahlen können?

Solche Fragen beantworten die Rater und vergeben ihre Noten von »AAA« (1+) über »BB« bis »C« (6-). In der Note drückt sich eine Art von Kosten-Nutzen-Rechnung aus: Eine gute Note steht für geringes Risiko, aber auch für eine niedrige Rendite; eine schlechte Note entsprechend für hohes Risiko, aber auch für die Chance auf hohe Gewinne. Wenn ein Land von den Ratern herabgestuft wird, muss das Land seinen Anlegern höhere Zinsen bezahlen. Die Kosten für das Land steigen.

Am Nikolaustag platzte deshalb der CDU der Kragen. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Bestnote »AAA« für Deutschland infrage gestellt. Das »Verhalten« der Ratingagenten sei »unverantwortlich«, schimpfte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs. Ratingagenturen sollten »nicht politischen Interessen dienen«; womit die der Vereinigten Staaten gemeint waren. Weltweit gibt es zwar 140 Ratingagenturen, aber eigentlich zählen nur drei große aus den USA: Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch.

Warum nur drei große aus den USA? Die Geschichte der Ratingagenturen reicht zurück bis zum Eisenbahnbau in den USA um 1900. Unabhängige Dritte sollten die Aktien der jungen Eisenbahngesellschaften bewerten, von denen in der Öffentlichkeit kaum mehr bekannt war als ihre abenteuerlichen Pläne, ein gewaltiges Streckennetz von Ost nach West zu bauen und den Kontinent zu überbrücken. In der Folgezeit blieben die Ratingagenturen eng mit der Entwicklung der Finanzmärkte verbunden. Da diese sich besonders in den Vereinigten Staaten entwickelten, stammen die größten Ratingagenturen aus Nordamerika.

Richtig mächtig wurden sie jedoch erst durch die Politik. In den gesetzlichen Richtlinien vieler Länder sind für Versicherer und Pensionsfond

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