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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2012
Keine Pflastersteine aus Kinderhand
Immer mehr deutsche Städte kaufen fair ein
Der Inhalt:

Bio-Äpfel aus dem Kriegsgebiet

von Ulrike Gruska vom 04.05.2012
Georgische Bauern setzen auf Öko-Landbau. Ein Besuch im traditionsreichen Agrarland am Kaukasus

Bio-Äpfel und Trockenpflaumen mit Öko-Zertifikat? Marika Kandorelashvili, könnte man meinen, hat dringendere Probleme. Die Felder der georgischen Kleinbäuerin liegen in Sichtweite von Süd-Ossetien, jener winzigen Provinz im Südkaukasus, um die Russland und Georgien im August 2008 mit schweren Waffen kämpften. Der Krieg vernichtete Marikas Ernte. In Satemo, ihrem Dorf, leben die Menschen von umgerechnet zehn Euro Sozialhilfe im Monat und von dem wenigen, was sich auf ein paar Hektar Land anbauen lässt. Dennoch zahlt die 43-Jährige weiter ihren Mitgliedsbeitrag im georgischen Bauernverband Elkana und wirbt bei den Nachbarn dafür, Geld für den Antrag auf ein Bio-Zertifikat zusammenzulegen.

Mit fruchtbaren Böden und mildem Klima ist Georgien ein traditionelles Agrarland, doch seit dem Ende der Sowjetunion liegt ein Großteil der Felder brach. Nur rund ein Drittel des nutzbaren Ackerlandes wird bebaut, jeder zweite Georgier, der einer Arbeit nachgeht, ist in der Landwirtschaft tätig. Und doch trägt der Agrarsektor nur einen minimalen Teil zum Bruttoinlandsprodukt bei. Tendenz sinkend: 2004 waren es 16 Prozent, 2010 noch sieben.

Marika aber baut auf. Mithilfe des Bauernverbands schrieb sie Finanzpläne und beantragte Kredite. Sie erhielt Geld und Baumaterial für einen kleinen Stall; ein Kälbchen liegt nun darin, zwei Ferkel suhlen sich im Dreck. Sie richtete einen Pflaumengarten her, der – »Da war ich selbst überrascht!« – so viel abwarf, dass sie vier Hektar Land dazukaufen konnte und nun fünf besitzt.

Die Krise in der georgischen Landwirtschaft hat strukturelle Ursachen. Im Gegensatz zu Marika bewirtschaften die meisten georgischen Bauern nicht mehr als einen Hektar Land. So viel wurde ihnen von der Regierung nach der Auflösung der Kollektivwirtschaften zugeteilt – winzige Parzellen, die sich kaum effektiv bestellen lassen. Außerdem fehlt den meisten Bauern Geld für Dünger und Maschinen, nur wenige Banken vergeben Kleinkredite. Was auf den Feldern wächst, reicht gerade für die, die es anbauen. Und so muss Georgien siebzig Prozent seiner Lebensmittel importieren, in den Läden liegen türkische Äpfel neben Cornflakes aus Deutschland und Brot aus der Ukraine.

Marika Kandorelashvili setzt dagegen auf den Anbau traditioneller georgischer Sorten. Dass sie dabei ökologische Methoden anwendet, ist pure Notwendigkeit. Marika g

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