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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Umbau der Wirtschaft
Der Inhalt:

Goldene Immobilien

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Italiens neue Regierung braucht Steuern. Zahlt die Kirche?

Zu den am besten gehüteten Geheimnissen zählt die ehrliche Antwort auf die Fragen: Wie viele Millionen Euro ist der Grund- und Häuserbesitz der katholischen Kirche – und aller ihrer Spielarten – in München oder Köln wert? Und wie wertvoll ist der Immobilienbesitz der evangelischen Kirche in Hamburg, Berlin, Stuttgart oder Frankfurt am Main?

Im EU-Partnerland Italien streitet man derzeit über genau diese bisher geheim gehaltene Frage – öffentlich. Dies ist neu. Auslöser des Konflikts ist Italiens neue Regierung unter dem früheren EU-Wettbewerbshüter Mario Monti, einem praktizierenden Katholiken. Denn Monti beseitigte aufgrund der hohen Staatsverschuldung die Steuerfreiheit für Immobilien; eines der Wahlgeschenke Silvio Berlusconis, mittels deren sich die rechte Koalition des Medienmoguls bis tief ins Jahr 2011 in Rom an der Regierungsmacht gehalten hatte.

Muss die Kirche die Grundsteuer ICI für ihre Paläste, Mietshäuser und Ländereien bezahlen? Beteiligt sie sich an der Bemühung der Nation, aus dem finanziellen Schlamassel herauszukommen – oder schaut sie unbeteiligt zu?

Gruppo RE (www.gruppore.it), das auf das Management der Immobilien der italienischen Kirche spezialisierte Großunternehmen, schätzt laut Le Monde, dass die »Kirche und ihre Vereinigungen, Orden, Stiftungen und Bruderschaften zwanzig Prozent des Immobilienbestandes Italiens direkt oder indirekt kontrollieren«. Kritische Beobachter des Kirchenbesitzes taxieren diesen höher: auf bis zu einem Viertel des italienischen Immobilienmarktes. Gesetzt, die Kirche und sämtliche frommen Vereinigungen würden für all ihre nicht gottesdienstlich genutzten Immobilien Steuern bezahlen, wären künftig jährliche Überweisungen in Höhe von 500 bis 700 Millionen Euro an die staatliche Finanzkasse fällig.

Die Linke im Parlament sowie zahlreiche rechte Abgeordnete aus Berlusconis verflossener Regierungskoalition wollen, dass die Kirche zahlt. In Facebook fordern Zehntausende: »Vatikan, bezahle mit.« Die Zeitschrift MicroMega startete die Petition »Die Kirche darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen«. Binnen weniger Tage unterzeichneten 70 000 Bürger. Die Petition empört sich besonders darüber, dass die Kirche bei großen Neubauten gerne eine Kapelle einbaut – damit ist dann l

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