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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

Zwischen Stoßzähnen und Mohrenapotheke

von Viola Rüdele vom 02.08.2020
Der Kolonialismus prägt bis heute unser Denken - das hinterlässt auch Spuren im Stadtbild. Oft sind diese jedoch versteckt, wie ein postkolonialer Stadtrundgang durch Frankfurt zeigt.
Kolonialromantik: Das indische Restaurant »Ivory Club« (Elfenbeinklub) in Frankfurt am Main (Foto: Ute Victor)
Kolonialromantik: Das indische Restaurant »Ivory Club« (Elfenbeinklub) in Frankfurt am Main (Foto: Ute Victor)

Zwei riesige Elefanten-Stoßzähne bilden das Eingangstor zum »Ivory Club« (Elfenbeinklub) mitten in Frankfurt am Main. Mit Elefanten ist das ganze Restaurant dekoriert. In großen goldenen Lettern steht »Contemporary Colonial Cuisine«, also zeitgenössische Kolonialküche über dem Eingang. Es ist eine der Stationen des »Postkolonialen Stadtrundgangs«, den die Gruppe Frankfurt postkolonial seit 2015 anbietet. Zwei der Mitglieder leiten den Rundgang, der nach coronabedingter Pause erstmals wieder stattfindet: Friederike Odenwald, die in Frankfurt Geschichte studiert, und Sebastian Garbe, der als promovierter Soziologe an der Universität Gießen arbeitet. Die oft vergessene deutsche Kolonialgeschichte wirkt bis in die Gegenwart – das wollen sie auf diesem zweistündigen Stadtrundgang zeigen.

Am Ivory Club wird das besonders deutlich: Das hochpreisige indische Restaurant sieht sich in der Tradition ehemaliger Gentlemen’s Clubs in britischen Kolonien.

Doch nicht bei jeder Station ist der Bezug zum Kolonialismus auf den ersten Blick erkennbar. Der erste Ort des Rundgangs ist ein neobarockes Eckgebäude in der Kaiserstraße, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Früher war der Schriftzug »Panoptikum« über dem Eingang zu lesen, heute steht dort schnöde »Exchange«, ein Pfandhaus. Die Idee des Panoptikums war, die weite Welt erleben zu können. Sozusagen ein Vorläufer der heutigen Museen, erklärt Odenwald. In sogenannten Völkerschauen wurden dort ferne Länder und ihre Einwohner ausgestellt – und zwar so, wie die Kolonisatoren sie sich vorstellten.

Garbe spielt eine Tonaufnahme von seinem Handy ab, Odenwald hält einen kl

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