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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Zu Hause leben – im Wachkoma

von Ursula Rüssmann vom 03.01.2020
Renate Schlich liegt im Wachkoma und wird zu Hause rund um die Uhr betreut von ihrem Mann und von Pflegekräften. Gesundheitsminister Jens Spahn möchte Patienten wie sie ins Heim verfrachten, weil das billiger ist
Am besten lebt es sich zu Hause: Renate Schlich, ihr Ehemann Manfred Schlich und Pflegerin Edith Westkemper (Foto: Ursula Rüssmann)
Am besten lebt es sich zu Hause: Renate Schlich, ihr Ehemann Manfred Schlich und Pflegerin Edith Westkemper (Foto: Ursula Rüssmann)

Drei kleine Anfälle hatte Renate Schlich heute schon, das ist jetzt der vierte, und es ist erst Mittag. Bei einer solchen Absence wird ihr Blick starr, die Glieder steifer. »Das müssen wir stoppen, sonst kann es ein epileptischer Anfall werden«, sagt ihr Mann Manfred ruhig, geht zum Pflegebett seiner Frau, streicht ihr über die Stirn, nimmt ihre Hand, spricht beruhigend. Ihr Körper lockert sich etwas. Ihre Pupillen bewegen sich wieder, wie zuvor, hin und her, hin und her. Renate Schlich liegt im Wachkoma.

Sie ist 71 Jahre alt. Vor neun Jahren hatte sie eine Operation am Auge, Linsenaustausch wegen Grauen Stars, eigentlich Routine. Aber irgendwas ist schrecklich schiefgegangen, sie bekam eine Gehirnentzündung, wurde ins künstliche Koma versetzt, hat knapp überlebt. Seither ist die einstige Kinderkrankenschwester Komapatientin und hat Epilepsie.

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