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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

»Wir müssen ganz neu denken«

von Wolfgang Kessler vom 13.01.2017
Anmerkungen zur plötzlichen Beliebtheit des bedingungslosen Grundeinkommens
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Die visionäre Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ist nicht neu. Neu ist, dass sie von Leuten kommt, von denen man sie nicht erwartet hätte. So plädierte Jo Kaeser, Chef der Siemens AG, für »eine Art Grundeinkommen«, damit nicht immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben. Bernd Leukert vom Vorstand des Software-Konzerns SAP warnt davor, dass »die Gesellschaft ohne ein Grundeinkommen auseinanderbrechen wird«. Und Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, sagt: »Es braucht Lösungen, die allen ein Mindesteinkommen garantieren. Wir müssen ganz neu denken.«

Doch so überraschend die plötzliche Beliebtheit des bedingungslosen Grundeinkommens scheint, so zweischneidig ist sie auch. Einerseits signalisiert sie ein zunehmendes Bewusstsein unter Spitzenmanagern, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich die Weltwirtschaft, sogar die gesamte Weltgesellschaft bedroht. Andererseits äußern Kritiker den Verdacht, bei dem angedachten Grundeinkommen handele es sich einfach um eine »Stillhalteprämie« für jene Menschen, denen die Arbeitswelt der Zukunft keine Jobs mehr bietet – und die deshalb irgendwie ruhiggestellt werden müssen. Denn da sind sich viele Beobachter einig: Advokaten des Sozialstaates oder gar einer offensiven Umverteilung von Reich zu Arm sind die Spitzenmanager nicht.

Dennoch liegt in ihrer Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Chance. Und zwar weniger für die reiche Welt im Norden als für die ganz Armen im Süden. Zwar ist der Gedanke eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle Bürger auch in den reichen Industrieländern attraktiv. Doch hier müssen die Befürworter nachweisen, dass ein Grundeinkommen mehr Gerechtigkeit schafft als ein Sozialstaat mit seinem eingeführten System von Sozialversicherungen. Sicher ist: Ein Grundeinkommen, das diese Bedingung erfüllen soll, wird sehr teuer und deshalb nur schwer durchsetzbar sein.

Ganz anders verhält es sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zur Bekämpfung der absoluten Armut in Ländern der Dritten Welt. Obwohl die Zahl der Hungernden im vergangenen Jahrzehnt zurückgegangen ist, lebt immer noch eine knappe Milliarde Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag. Was mit einem Grundeinkommen von umgerechnet 6,50 Euro pro Monat (für Kinder und Erwachsene) bewegt werden kann, das zeigen die Erfahr

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