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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
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Wenn alle Chef sind

von Matthias Becker vom 12.02.2016
In der Hamburger Firma Oose treffen die Beschäftigten wichtige Entscheidungen selbst – und häufig gemeinsam. Sind solche demokratischen Unternehmen Vorreiter für eine menschlichere Arbeitswelt?
Abstimmen über die Arbeitsteilung: Weil die sich immer wieder ändern kann, gibt es in Unternehmen wie »Oose« keine festgefügten Organigramme. Zuständigkeiten können variieren. (Foto: Desmarowitz)
Abstimmen über die Arbeitsteilung: Weil die sich immer wieder ändern kann, gibt es in Unternehmen wie »Oose« keine festgefügten Organigramme. Zuständigkeiten können variieren. (Foto: Desmarowitz)

Verrückte Welt – ausgerechnet das Management will mehr Mitbestimmung in den Unternehmen: »Früher wollten wir Angestellte, die tun, was wir ihnen sagen«, sagte Klaus von Rottkay, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, »heute suchen wir Mitarbeiter, die tun, was wir nicht sagen.« Und Thomas Sattelberger, ehemals Personalmanager bei Lufthansa und Telekom, warb auf der Konferenz »Das demokratische Unternehmen« für Unternehmen, in denen die Mitarbeiter mitbestimmen, was die Arbeitszeit, den Arbeitsort, den Arbeitsstil und den Arbeitsinhalt betrifft: »Es geht darum, deutlich mehr Mitspracherechte zu ermöglichen als in einem klassisch von oben geführten, quasi-militärisch organisierten Unternehmen.« Der Chef verlangt, dass die Demokratie nicht länger an der Firmentür endet.

Was ist dran an Firmen, in denen die Hierarchien so flach geworden sind, dass sie kaum noch erkennbar sind? Verwirklichen sie die alte gewerkschaftliche Forderung der Mitbestimmung der Arbeitnehmer? Mit einer gehörigen Portion Skepsis fahre ich nach Hamburg. Ich besuche die Software-Firma Oose, um zu hören, wie die betriebliche Demokratie in der Praxis funktioniert. Bei Oose, habe ich gelesen, treffen die Mitarbeiter alle Entscheidungen gleichberechtigt.

Der Empfangsraum ist groß, hell und aufgeräumt. Besucher und ein paar Mitarbeiter, die gerade vom Mittagessen kommen, holen sich einen Kaffee vom Buffet und setzen sich an einen langen Holztisch. An der Wand steht ein großes Regal mit Fachliteratur über Software-Entwicklung. Als Kim Duggen die Treppe hinunterläuft, um mich zu begrüßen, wird die junge Frau von zwei Mitarbei

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