Wem geben Sie Ihre Stimme?
Stephan Bickhardt: »Mit Erst- und Zweitstimme SPD«
Publik-Forum.de: Wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?
Stephan Bickhardt: Diese Bundestagswahl ist vor allem wichtig, weil die vielen jungen Leute merken: Wählen geht! Es geht um die Ausrichtung der Politik und auch um die Akzeptanz einer möglichen anderen Position. Diese Wahl gibt die Chance, eine Partei zu wählen, die zu ihrer Geschichte stehen kann. Insbesondere die AfD hat diese Chance bereits im Vorfeld der Wahl verwirkt. Selbst wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde – wie gut, dass es sie gibt – überwinden sollte.
Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?
Bickhardt: Ich hoffe auf eine Politik des sozialen Ausgleichs. Menschen die viel besitzen, brauchen den sanften (gesetzgeberischen) Anstoß, etwas abzugeben für die, die weniger besitzen. Ungleichheit ist eine Gefahr – auch für den Rechtsfrieden. Ich hoffe auf eine Politik des Friedens nach außen und der Integration nach innen. Weniger Waffenhandel, mehr Deutschkurse! Obwohl ich weiß, dass der Waffenhandel Steuern abwirft und gute Deutschkurse viel Geld kosten.
Wem geben Sie Ihre Stimme?
Bickhardt: Ich wähle bei der Bundestagswahl 2017 zum ersten Mal mit Erst- und Zweitstimme SPD.
Stevie Meriel Schmiedel: »Für echte Gleichberechtigung«
Publik-Forum.de: Wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?
Stevie Meriel Schmiedel: Die Bundestagswahl ist gerade im Bezug auf feministische Themen extrem wichtig. Es drohen üble Rückschritte in den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. So könnte die AfD zum Beispiel Genderbeauftragungen oder Angebote wie ProFamilia beschränken. Deshalb sollte man dringend seine Stimme für den Fortschritt, nicht den Rückschritt abgeben.
Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?
Stevie Meriel Schmiedel: Es gibt viel Politikverdrossenheit in Deutschland. Ich wünsche mir, dass gerade die jungen Leute verstehen, dass es mit dieser Wahl auch um die Zukunft ihrer Freiheit und Gleichberechtigung geht. Rechtzeitig aufwachen und wählen gehen! Deshalb machen wir bei Pinkstinks jeden Tag auf den Sexismus in Deutschland aufmerksam, den viele Menschen schon gar nicht mehr wahrnehmen.
Wem geben Sie Ihre Stimme?
Stevie Meriel Schmiedel: Ich wähle eine Partei, die eine echte Gleichberechtigung von Mann und Frau und den Kampf gegen Homophobie und andere Diskriminierungen ganz oben auf der Agenda hat.
Franz Meurer: »Zweitstimme für die CDU«
Publik-Forum.de: Wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?
Franz Meurer: In unserem leider armen Stadtteil haben wir einen Stimmbezirk mit neun Prozent Wahlbeteiligung. Also wählen viele gar nicht, weil sie den Eindruck haben, dass sich niemand mehr für sie interessiert, wie es Didier Eribon in seinem Buch »Rückkehr nach Reims« so prägnant schildert. Wir wollen aber, dass die Leute wählen gehen. Dafür müssen sie aber wirklich zu Wort kommen. Mit der Kölner Initiative »Arsch huh«, einer Bewegung von Künstlern und Intellektuellen gegen Rechts, machen wir deshalb Veranstaltungen vor Ort. Dort können die Menschen, die sich von der Politik nicht beachten fühlen, auf der Bühne sagen, was sie bewegt und was sie von der Gesellschaft und der Politik brauchen.
Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?
Meurer: Wir brauchen Befähigungsgerechtigkeit. Was so viel heißt wie: alle Menschen fit zu machen, an gesellschaftlichen Bezügen teilhaben zu können. Es geht um Resonanz. Einen praktischen Vorschlag haben Patricia Nanz und Claus Leggewie vorgelegt: Ihnen schweben »Zukunftsräte« vor, in denen Menschen nach Zufallsbedingungen zusammenkommen und ergänzend zu parlamentarischen Beratungen Politiker auf Zeit beraten. Auch einfache Menschen können so Macht bekommen, sogar Vertreter der 7,6 Millionen funktionellen Analphabeten, die es in Deutschland gibt, könnte man so einbeziehen. Eine interessante Idee. Denn wer auf diese Weise Einfluss bekommt, gibt auch gerne seine Vorurteile auf – auch gegenüber der Politik.
Wem geben Sie Ihre Stimme?
Meurer: Da ich seit 48 Jahren Mitglied der CDU bin, radikal ein Fan der CDA-Sozialausschüsse, bekommt meine Partei die Zweitstimme. Meine Erststimme bekommt dieses Mal ein Kandidat, der sich deutlich für arme Menschen engagiert. Hier treibt mich an, was der Papst sagt, indem er den Heiligen. Franziskus zitiert: »Verkündet das Evangelium, notfalls (!) auch mit Worten.«
Stevie Meriel Schmiedel, geboren 1971, Deutsch-Britin, Dozentin für Genderforschung, ist Geschäftsführerin von Pinkstinks Germany, einem Verein, der sich gegen Frauen-Männer-Stereotype stark macht.
Franz Meurer, geboren 1951, Priester, seit 1992 Pfarrer im Kölner Stadtteil Höhenberg/Vingst, früher ein Arbeiterstadtteil, heute ein sozialer Brennpunkt. Erster »Alternativer Ehrenbürger« Kölns.
