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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

»Viele Leute fühlen sich abgehängt«

von Barbara Tambour vom 24.03.2016
Über die Macht der AfD, die Angst vor der Globalisierung und die fehlende Leidenschaft der Etablierten. Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder
Politologe Wolfgang Schroeder (links): »Die etablierten Parteien müssen sich stärker um eine alltagsnahe Kommunikation Gedanken machen - nicht nur um rationale Argumente. Es fehlt an einem Schuss Leidenschaft.« Rechts: AfD-Demonstration gegen Flüchtlinge in Erfurt: Starke Emotionen gegen  Fremde, Angst vor sozialem Abstieg (Fotos: pa/dpa/Martin Schutt; Schröder/Schulten)
Politologe Wolfgang Schroeder (links): »Die etablierten Parteien müssen sich stärker um eine alltagsnahe Kommunikation Gedanken machen - nicht nur um rationale Argumente. Es fehlt an einem Schuss Leidenschaft.« Rechts: AfD-Demonstration gegen Flüchtlinge in Erfurt: Starke Emotionen gegen Fremde, Angst vor sozialem Abstieg (Fotos: pa/dpa/Martin Schutt; Schröder/Schulten)

Publik-Forum: Die Wahlsieger von der AfD sehen sich als Oppositionspartei. Doch regieren sie nicht bereits mit, weil sich die anderen Parteien an ihr ausrichten?

Wolfgang Schroeder: Das ist teilweise so. Die AfD gehört zu einem Typ von Partei, die nicht mitregieren will, die aber durch ihre thematische Zuspitzung die Richtung des Parteienwettbewerbes massiv beeinflusst. Auf populistische Weise nutzt sie die Proteststimmung und spitzt die Flüchtlingsfrage so zu, dass die meisten anderen Parteien nachziehen.

Ein liberal-sozialer-grüner Grundkonsens, der die Energiewende und die Homo-Ehe möglich machte, scheint nicht mehr zu bestehen. Sind diese Dinge den Menschen nicht mehr so wichtig?

Schroeder: Tatsächlich werden diese Projekte wieder stärker angefochten. Das, was vor kurzer Zeit noch Gewinnerthemen waren, sind jetzt Positionen, die den Aufstieg des Populismus beflügeln. Aber es gab in Deutschland laut Erhebungen immer ein Potenzial von 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung, das fremdenfeindlich und homophob ist, das eine eher geschlossene, autoritäre Gesellschaft als Vorbild hat. Dafür gab es im Parteienspektrum bisher kein Angebot. Mit der AfD hat sich das geändert.

Dieser Teil der Bevölkerung sieht seine Auffassung durch die AfD artikuliert?

Schroeder: AfD-Wähler sind insbesondere Menschen, die skeptisch bis ablehnend gegenüber der liberal-demokratischen Entwicklung der letzten Jahre sind. Teilweise, weil sie verängstigt sind, teilweise, weil sie sich als Verlierer einer wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung

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