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SPD-Krise: Jeder gegen jeden

von Ludwig Greven vom 04.06.2019
»Wie die SPD auf allen Ebenen mit ihren Leuten umgeht? Abartig! Schäbig! Ekelhaft!« Das ist das Urteil eines Genossen nach dem Abgang von Andrea Nahles. Serhat Sarikaya hat die SPD in Sundern im schwärzesten Sauerland erstmals an die Macht gebracht. Seitdem zerlegt sie sich dort wie die Gesamtpartei. Ein Sittenbild
»Wie die SPD auf allen Ebenen mit ihren Leuten umgeht? Abartig! Schäbig! Ekelhaft!«, sagt Serhat Sarikaya (Foto) nach dem Abgang von Andrea Nahles. Er hat die SPD in Sundern im schwärzesten Sauerland an die Macht gebracht. Seitdem zerlegt sie sich dort wie die Gesamtpartei. (Foto: SPD)
»Wie die SPD auf allen Ebenen mit ihren Leuten umgeht? Abartig! Schäbig! Ekelhaft!«, sagt Serhat Sarikaya (Foto) nach dem Abgang von Andrea Nahles. Er hat die SPD in Sundern im schwärzesten Sauerland an die Macht gebracht. Seitdem zerlegt sie sich dort wie die Gesamtpartei. (Foto: SPD)

Serhat Sarikaya hat etwas geschafft, wovon die SPD nur träumen konnte und kann. Nicht nur im kleinen katholischen Sundern, der Heimat des Parteiübervaters Franz Müntefering. In der aus mehreren Dörfern und Gemeinden per Verwaltungsreform zusammengewürfelten Stadt mit 30.000 Einwohnern im ländlichen, äußerst konservativen westfälischen Sauerland, wo seit 1945 stets die CDU regierte und wo sie bis heute die beherrschende politische Kraft ist, ähnlich wie die CSU bis zur Landtagswahl in Bayern, residiert seit 2015 ein Genosse als Bürgermeister im Rathaus. Dank des umtriebigen 28jährigen kurdischstämmigen Vorsitzenden des SPD-Stadtverbands.

Wie hat der angehende Jurist das hinbekommen, dessen Eltern 1987 aus der Türkei kamen und der im benachbarten Arnsberg geboren wurde, weil es in Sundern kein Krankenhaus gibt? »Ich habe vor der Wahl mit allen anderen Oppositionsparteien gesprochen, ob wir nicht einen gemeinsamen Kandidaten aufstellen wollen, um die CDU abzulösen«, erzählt er. Seine eigene Partei war erst sehr skeptisch. Bei der Kommunalwahl ein Jahr zuvor hatte sie in Sundern nur 22,9 Prozent bekommen, die CDU 45 Prozent. Aber Sarikaya schaffte das Unmögliche: FDP, Grüne, Linke und eine Wählervereinigung schlossen sich mit der SPD zu einem Bündnis zusammen. Gemeinsam suchten sie in einer bundesweiten Ausschreibung einen geeigneten Kandidaten

Der im Konsens ausgeguckte Ralph Brodel, ein in Stuttgart aufgewachsener 56jähriger ehemaliger Versicherungskaufmann, Sozialarbeiter und Fernsehjournalist, wurde mit überwältigenden 58,8 Prozent gewählt. Ein politisches Erdbeben für die Stadt. Sarikaya wurde dafür von seinen Genossen zunächst gefeiert. »Daran hatte niemand geglaubt«, sagt er noch heute mit Stolz.

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