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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
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Snowden nach Deutschland!

von Friedrich Schorlemmer vom 16.08.2013
Warum der US-Aufklärer Asyl und eine Auszeichnung, aber keinen Prozess verdient. Essay des Bürgerrechtlers Friedrich Schorlemmer, der schon wieder die Knochen von Erich Mielke klappern hört
Edward Snowden tut das, was in der Demokratie unverzichtbar ist: er sucht die Wahrheit, er deckt das Verborgene auf, meint der Theologe Friedrich Schorlemmer (Zeichnung: Mester)
Edward Snowden tut das, was in der Demokratie unverzichtbar ist: er sucht die Wahrheit, er deckt das Verborgene auf, meint der Theologe Friedrich Schorlemmer (Zeichnung: Mester)

Edward Snowden ist ein Aufklärer – im neoklassischen Sinne. Und wer aufklärt, lebt stets gefährlich. Er tut das, was in der Demokratie unverzichtbar ist: er sucht die Wahrheit, er deckt das Verborgene auf. »Aletheia« heißt griechisch Wahrheit als »Aufdeckung des Verborgenen«. Ihm gebührt nicht nur Asyl in einer demokratischen, auf Menschenrechten und damit auch auf dem Recht auf Privatheit beruhenden Gesellschaft. Es ist dieses Recht, das die NSA gröblichst, milliardenfach und weltweit verletzt hat, in dem sie alle und alles anzapft.

Dieser dreißigjährige mutige Aufklärer dunkler Machenschaften bedarf keines Prozesses, sondern einer Auszeichnung. Die Dichterin Ingeborg Bachmann schrieb: »Die Uniform des Tages ist die Geduld, / die Auszeichnung, der armselige Stern / der Hoffnung über dem Herzen. ... Er wird verliehen für die Flucht von den Fahnen, / … für den Verrat unwürdiger Geheimnisse.« All das, was die Geheimnisse der westlichen Führungsnation kaputt geschlagen haben, ist nichts anderes als das sprichwörtliche Tafelsilber unserer Gesellschaft, in der das Recht auf Privatheit (privare = abgesondert sein) geschützt wird. Wenn nun aber gar Freunde bei Freunden in einem bisher unvorstellbar großen Maße die modernsten technischen Mittel nutzen, um alle auszuspionieren, dann geht das an die Grundlagen unserer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie.

Der Denkfehler der Kanzlerin

Wenn die Kanzlerin erklärt, die Amerikaner hätten wohl noch nicht verstanden, dass der Kalte Krieg zu Ende ist, so liegt darin ein schwerwiegender Denkfehler, denn im Kalten Krieg wurden die Gegner ausgeforscht – gegenseitig! – und dies war in der Summe sogar kriegsverhindernd, wenn man di

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