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Rock als Religion?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 05.05.2015
Einer muslimischen Schülerin wird in Nordfrankreich der Schulbesuch verwehrt. Ihr Fauxpas: Sie trägt einen langen Rock. Das sei ein religiöses Symbol und damit nicht mit dem Prinzip des Laizismus vereinbar, urteilte die Schulleiterin. Lächerlich? Ja. Aber auch tragisch. Ein Kommentar von Elisa Rheinheimer-Chabbi
Sarah, mit Kopftuch: In der Schule trägt sie es nicht, weil das französische Schulgesetz Kleidung, die »offen religiös«  ist, nicht erlaubt. Nun aber fand stattdessen Sarahs langer Rock das Missfallen der Schuldirektorin. Er sei »eine Provokation«. (Foto:  pa/dpa/maxppp/Levy Guillaume)
Sarah, mit Kopftuch: In der Schule trägt sie es nicht, weil das französische Schulgesetz Kleidung, die »offen religiös« ist, nicht erlaubt. Nun aber fand stattdessen Sarahs langer Rock das Missfallen der Schuldirektorin. Er sei »eine Provokation«. (Foto: pa/dpa/maxppp/Levy Guillaume)

Es klingt wie ein schlechter Witz: Eine Schülerin wird in der französischen Region Champagne-Ardenne nahe der belgischen Grenze vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie einen zu langen Rock trägt. Die Begründung: Das widerspreche dem Laizismus. Die Schulleiterin fordert die Eltern der 15-jährigen Sarah schriftlich auf, die Tochter möge sich »neutraler« kleiden und dann erst wieder in die Schule zurückkehren. So geschehen vor wenigen Tagen.

Wer sich über die Sittenwächter im Iran empört, die kontrollieren, ob Frauen sich in der Öffentlichkeit anständig kleiden, kann sich nun auch über französische Sittenwächter ärgern. Die einen wollen weniger Haut. Die anderen mehr.

Was zunächst skurril erscheint, ist eine besorgniserregende Entwicklung. Denn wohin steuert ein Land, das als Wiege von »Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit« gilt, wenn es sich nun anmaßt, Frauen vorzuschreiben, was sie zu tragen haben und was nicht? In welchem Zustand ist eine Gesellschaft, die einen langen Rock als Gefahr wahrnimmt?

Sarah trägt eigentlich ein Kopftuch. Das legte sie bislang vor Betreten des Schulgebäudes immer ab, weil es nicht erwünscht war. Sie wollte lernen. Dafür nahm sie auch Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit in Kauf. Aber nun? Auch den Rock? Er sei »ganz normal und hätte nichts mit Religion zu tun«, beteuert sie. Die Direktorin störte sich jedoch am »generellen Verhalten« des Mädchens. Da auch andere muslimische Schülerinnen an diesem Tag in langen Röcken zur Schule erschienen seien, habe es sich offenkundig um eine »konzertierte Provokation« gehandelt, ist sich die Pädagogin sicher.

Im Internet verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Fassun

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