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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

Minister Müller und die Kuschel-Helfer

von Horand Knaup vom 03.08.2020
Der Entwicklungsminister setzt viele richtige Themen - aber wenig durch. Der Grund: Der kritische Nord-Süd-Diskurs hat sich verflüchtigt. NGOs lassen sich mit Geld abspeisen, anstatt ein kritisches öffentliches Bewusstsein herzustellen.
Setzt wichtige Themen - aber wenig durch: Gerd Müller (Foto: pa/afp/Tobias Schwarz)
Setzt wichtige Themen - aber wenig durch: Gerd Müller (Foto: pa/afp/Tobias Schwarz)

Neulich, im Bundestag, war es wieder so weit. In der Fragestunde wurde Gerd Müller, CSU-Entwicklungsminister, von den Abgeordneten aller Fraktionen einvernommen. Und Müller holte weit aus. Korruptionsfragen und Menschenrechte müssten wieder einen höheren Stellenwert haben. Mal sprach er grundsätzlich: »Man muss die Entwicklungszusammenarbeit neu denken.« Mal menschlich – die Flüchtlinge gingen ihm nach seinen Besuchen in Myanmar und Griechenland nicht mehr aus dem Kopf: »Ich denke ständig an die Menschen in Palong, aber auch Moria.«

Nicht nur im Bundestag – wo immer Müller auftritt, könnte man meinen, der Papst spricht. »Afrika ist nicht arm, wir haben es arm gemacht«, sagt er dann. Oder: »Jedes Kind, jeder Hungernde könnte überleben.« Beliebt ist auch die Forderung: »Wir müssen andere an der Entwicklung, unserem Wohlstand teilhaben lassen. Wenn heute zehn Prozent der Weltbevölkerung neunzig Prozent des Vermögens besitzen, haben wir ein Verteilungsproblem.«

Seit fast sieben Jahren ist Gerd Müller Minister im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wenn es um die Armen und Schwachen in der Welt geht, haben sie keinen verlässlicheren Verbündeten als den Allgäuer. Zumindest verbal. Er mahnt die EU-Kommission in Brüssel, »Afrika endlich als Jahrhundertaufgabe zu begreifen«. Oder er postuliert: »Öffnet die Märkte für alle afrikanischen Güter!« Mal fordert er »einen EU-Kommissar für Afrika«, mal will er »eine europaweite Finanztransaktionssteuer einführen«.

Der Minister ist der unumstrittene Frontmann der deutschen Entwicklungsszene. Kritisch, politisch korrekt wie niemand sonst im Kabinett. Keiner fordert so weitreichend, keiner sieht die Pr

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