Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

»Lebenserhaltung um jeden Preis«

von Annette Lübbers vom 05.08.2020
Sozialprotokoll: Entgegen seiner Patientenverfügung wurde der krebskranke 86-Jährige wiederbelebt. Und lag fortan Koma. Seine Enkelin Madeleine Rada (43) prozessiert jetzt gegen die Ärzte, die ihren todkranken Großvater nicht sterben lassen wollten.
Kampf gegen Ärzte: Madeleine Rada (Foto: Annette Lübbers)
Kampf gegen Ärzte: Madeleine Rada (Foto: Annette Lübbers)

Mein Opa war ein Kämpfer, aber seinen letzten Kampf konnte er nicht gewinnen – den gegen seine behandelnden Ärzte. Ich weiß, wie schwer es ist, gegen das medizinische System vor Gericht zu ziehen. Aber meine Familie und ich werden, wenn notwendig, durch alle Instanzen gehen, damit anderen erspart bleibt, was wir hilflos miterleben mussten.

Mein Opa war für meinen Bruder und mich ein Bilderbuchopa. Einmal die Woche ging er abends Skat spielen, und nie kam er nach Hause, ohne uns Kindern etwas mitzubringen: ein Eis, eine Tafel Schokolade. Kleinigkeiten, die aber von Herzen kamen. Genauso wie seine Ratschläge, die wir natürlich nicht immer hören wollten. Vor 13 Jahren wurde bei meinem Opa Darmkrebs diagnostiziert. Den hatte er lange gut im Griff, auch wenn der künstliche Darmausgang sicher unangenehm war. Zuletzt litt er häufig an Verstopfungen. Immer wieder hatte er heftige Bauchschmerzen. Im September 2018 musste er am Darm operiert werden. Doch schon wenige Tage später hatte er Appetit auf Steak und Bratkartoffeln. Wir waren guten Mutes, dass Opa bald wieder zu Hause wäre. Aber es kam anders.

Er war eine Woche im Krankenhaus, als meine Oma und meine Schwägerin mit einer Hiobsbotschaft von dort zurückkamen. »Opa liegt im künstlichen Koma«, sagten sie mit Tränen in den Augen. In der Nacht hatte sich mein Großvater übergeben und das Erbrochene eingeatmet. Seine Lunge wurde abgesaugt – doch zu spät. Opa hatte Blasen auf der Haut, die aussahen wie Brandwunden. Nun drohte Nierenversagen, und er kam an die Dialyse. Eine Magensonde war ihm auch schon gelegt worden. Vor anderen Besuchern auf dem Flur erklärte uns der Arzt: »Wir müssen jetzt einen Luftröhrenschnitt machen.« Als er unsere skeptischen Mienen sah,

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.