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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Jahrelang ohne Girokonto

von Martin Staiger vom 20.06.2014
Alex M. war Kleinunternehmer. Doch als seine Spedition pleitegeht, kündigt ihm die Bank. Protokoll eines Abstiegs
Konto-Karte kaputt: Wer keinen Zugang mehr zu einem Girokonto hat, weil es ihm die Banken verweigern, bekommt multikomplexe Probleme auf dem Arbeitsmarkt. (Foto: Fochesato/gettyimages/istockphoto)
Konto-Karte kaputt: Wer keinen Zugang mehr zu einem Girokonto hat, weil es ihm die Banken verweigern, bekommt multikomplexe Probleme auf dem Arbeitsmarkt. (Foto: Fochesato/gettyimages/istockphoto)

»Zwei Millionen Kilometer habe ich in acht Jahren runtergerissen, zwei Lkws sind dabei draufgegangen. Mal hatte ich mehr, mal weniger Aufträge, aber immer lief das. 2011 fing der Mist dann an. Einer meiner besten Kunden hat nicht mehr gezahlt. Über 20 000 Euro hätte ich von dem gekriegt. Das hältst du als Ein-Mann-Unternehmen nicht lange aus. Ich konnte meine Außenstände nicht mehr alle bezahlen, das Konto ging mit dreieinhalbtausend in die Miesen. Da hat die Sparkasse mein Konto aufgelöst, weil sie keine Hoffnung mehr hatte, dass ich das je wieder ausgleichen kann. Obwohl ich jahrelang dort Kunde war! Dann kamen die ersten Pfändungen, irgendwann war der Lkw weg, weil ich die Leasingraten nicht mehr zahlen konnte. Da war es vorbei. Eine Spedition ohne Lkw – das geht gar nicht. Irgendwann habe ich die Hoffnung verloren, alles schleifen lassen, dann wurde der Schuldenberg immer größer.

Ohne Konto lebt es sich äußerst schlecht. Man kann nichts überweisen, sich nichts überweisen lassen, nirgends Geld abheben. Man kann schon zur Bank gehen, Geld bar einzahlen, und die überweisen es dann, das kostet aber jedes Mal zehn Euro. Ich habe dann oft meiner Mutter Bargeld gegeben, damit sie für mich die Überweisungen macht, aber was ich mir da alles anhören musste: Was ist denn das schon wieder? Wofür du dein Geld alles ausgibst …! – Irgendwann merkt man, da fehlt die Selbstständigkeit, wenn die Mutter alles Finanzielle mitkriegt. Dauernd musst du dich erklären. Irgendwann hast du genug davon.

Als ich vom Job-Center Hartz IV bekam, habe ich das Konto meiner Freundin angegeben, das hat problemlos funktioniert. Und mein letzter Arbeitgeber hat mir den Lohn in bar gegeben. Das hat der bei allen so gemacht. Manchmal

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Kommentare
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Thomas
27.06.201416:33
Als ich vor ein paar Tagen eine Bank auf die Selbstverpflichtung angesprochen habe - weil man mich ablehnte - hat man mich vollen Ernstes auf die _Freiwilligkeit_ der Verpflichtung hingewiesen. Und überhaupt habe man sich generell aus wirtschaftlichen Gründen gegen die Aufnahme von Kunden wie mir die sich bspw. im Verbraucherinsolvenzverfahren befinden entschieden. "Dafür haben Sie als Geschäftsmann doch sicher Verständnis".
EuroTanic
24.06.201419:15
Ich lebe seit 2 1/2 Jahren bewusst ohne Konto. Ich bin damit nicht schuld an den Übeln, die die Banken mit dem Geld anderer Menschen treiben. Dazu gehören nicht nur Spekulationen mit Lebensmitteln, sondern auch Raub, Mord, Kriege.
Alles nur durch Giralgeld in dem Aussmass möglich. Alle die ein Konto haben, sind MITSCHULDIG.
Martin1
24.06.201416:31
Klingt etwas frohstimmend zum Schluss.

Eigentlich kann man auch Konten auf Guthabenbasis eröffnen lassen. Dafür ist dann keine Schufa-Auskunft nötig.
Teilw. bestehen Banken aber doch auf eine solche. :-/

Relativ neu ist ein P-Konto. Von diesem pfändungsfreien Girokonto kann man monatlich noch das abheben, was man zum Leben braucht (sog. pfändungsfreier Betrag).
Ein P-Konto wird aber immer bei der Schufa eingetragen. Und dann ist's vorbei mit der Bonität. Aber das kann einem bei drei oder vier Seiten langen Schufa-Auskünften egal sein.
Infoliner
24.06.201414:36
Ist eigentlich Markenzeichen eines anständigen Menschen, so ein Schicksal. Ist mir auch nicht erspart geblieben ;) Das System kann mit sowas nicht umgehen. Also Kopf hoch, selbst machen. Viel Erfolg!