Zur mobilen Webseite zurückkehren

Ihr seid nicht das Volk!

von Friedrich Schorlemmer vom 12.01.2015
Vielfalt, Meinungsfreiheit, Toleranz: Dafür gingen am Wochenende in Dresden 35.000 Menschen auf die Straße. »Gott sei Dank!«, sagt der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Denn heute Abend ist es leider wieder so weit: Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung ruft zur Montagsdemonstration auf. Sie missbraucht dabei schamlos den Protestruf von 1989: Wir sind das Volk! »Wir müssen laut auf diesen empörenden Marsch reagieren, der sich jeden Montag Abend wiederholt«, findet der Theologe und Publizist Schorlemmer
Irrationale Ängste liegen dem Pegida-Protest zugrunde, meint der Bürgerrechtlicher Friedrich Schorlemmer. Er erwidert darauf: »Ihr seid nicht das Volk! Ihr seid eine gespenstische Minderheit! Und wenn ihr noch so laut brüllt.« Das Foto zeigt die letzte Kundgebung in Dresden vor Jahresende 2014. Doch auch 2015 gehen die Demonstationen weiter, mit immer mehr Beteiligten. (Foto: Arno Burgi/dpa)
Irrationale Ängste liegen dem Pegida-Protest zugrunde, meint der Bürgerrechtlicher Friedrich Schorlemmer. Er erwidert darauf: »Ihr seid nicht das Volk! Ihr seid eine gespenstische Minderheit! Und wenn ihr noch so laut brüllt.« Das Foto zeigt die letzte Kundgebung in Dresden vor Jahresende 2014. Doch auch 2015 gehen die Demonstationen weiter, mit immer mehr Beteiligten. (Foto: Arno Burgi/dpa)

Gerade in diesen Tagen der grausamen Bilder aus Paris wird deutlich: Das »Wir sind das Volk«-Gebrüll der Pegida-Demonstranten ist eine feindliche Übernahme, bösartige Kaperung eines freiheitlichen Erbes, das in diesen Tagen aktueller ist denn je. Wer den demokratischen Aufbruch des Jahres 1989 miterlebt und mitgestaltet hat, muss empört sein über die aktuelle Verhunzung aller symbolträchtigen Signale der damaligen Emanzipationsbewegung. Jetzt regieren dumpfe Gefühle, primitive Ressentiments und irrationale Fremdenfeindlichkeit.

Nach 25 Jahren solch gespenstische Ansammlungen ausgerechnet in Dresden erleben zu müssen, führt damalige Initiatoren zu blankem Entsetzen. Da werden statt einer Botschaft dubiose Parolen ausgestoßen und für undiskutierbar gehalten. Dem ist unmissverständlich zu erwidern: »Ihr seid nicht das Volk! Ihr seid eine gespenstische Minderheit! Und wenn ihr noch so laut brüllt.«

Eine Willkommenskultur entwickeln

Es ist mit Händen zu greifen, wie wichtig im Ernstfall ein deutscher Verfassungspatriotismus ist, der sich aus den uns tragenden und prägenden Werten speist. Dieser Ernstfall ist angesichts untergründig wachsender Islamophobie gegeben.

In Deutschland als Deutscher zu leben, schließt Identitätsfindung in selbstbewusster wie kritischer Aneignung, Pflege und Weiterentwicklung unserer Sprache, Kultur und Geschichte ein. Aus solcher Verwurzelung kann ein Zugehörigkeitsgefühl erwachsen, das menschlich, sozial und politisch prinzipiell offen ist für jeden, der zu Deutschland gehören m

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen