Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

Grüner Glaubenskrieg um die Genschere

von Christoph Seils vom 14.10.2020
Die Grünen schreiben an einem neuen Grundsatzprogramm und streiten um die neue Gentechnik. Es geht dabei dieser Auseinandersetzung um mehr als um die Neubewertung molekularbiologischer Verfahren. Im Mittelpunkt steht stattdessen die Frage, wie wollen wir zukünftig leben?
Grüne Doppelhelix (Foto: Getty Images/iStockphoto/AYDINOZON)
Grüne Doppelhelix (Foto: Getty Images/iStockphoto/AYDINOZON)

Ein wenig unvermittelt sind Andreas Schaller und das Institut für Pflanzenphysiologie der Universität Hohenheim kürzlich mitten in einen grünen Grabenkampf geraten. Eigentlich wollten sich die Forscher lediglich um Geld aus einem Förderprogramm des baden-württembergischen Forschungsministeriums bewerben. Die zuständige Ministerin Theresia Bauer (Grüne) hatte dieses für Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeschrieben. Doch plötzlich gab es den Fördertopf nicht mehr.

»Wir hätten das Geld gut gebrauchen können«, sagt Andreas Schaller. Er betreibt Grundlagenforschung und nutzt dafür das als Genschere bezeichnete CRISPR/Cas-Verfahren. »Wir arbeiten in Hohenheim nur unter Laborbedingungen und würden gerne erforschen, ob sich die veränderten Eigenschaften der Nutzpflanzen auch auf dem Feld zeigen«, so der Institutsleiter. Doch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann stoppte das Programm Mitte Juli und düpierte damit seine Parteifreundin. Dem Stopp vorausgegangen waren ein Aufstand in der grünen Landtagsfraktion und der Protest von Ökobauern sowie deren lautstark vorgetragene Warnung vor »unkalkulierbaren Risiken«.

Er verstehe die Bedenken, gab Kretschmann zu Protokoll. Theresia Bauer hingegen versteht die Bedenken nicht. Mit den Worten »Wissen ist besser als Glauben« verteidigte sie ihr Forschungsprogramm. Der Graben, der in Sachen Gentechnik mitten durch die Partei geht, ist tief.

Der innergrüne Streit trägt Züge eines Glaubenskrieges. Die gegenseitigen Vorwürfe sind heftig, die einen gelten als »Wissenschaftsleugner«, die anderen als »Lobby der Agrarlobby«. Das liegt vor allem daran, dass die Ablehnung der Gentechnik zur DNA

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.