Frauenquote in Chefetagen?
Martin Rosowski: »Ja! Denn neue Frauen braucht das Land«
»Neue Frauen!? Ging es nicht eigentlich um neue Männer? Na gut, auch so herum könnte ein Schuh draus werden: Wenn ein Ruck der Veränderung durch unser Land gehen, die Balance zwischen Beziehungs- und Arbeitsleben hergestellt werden und Leistung endlich in Motivation, Kreativität und Kompetenz und nicht ausschließlich in am Arbeitsplatz verbrachten Stunden gemessen werden soll – dann brauchen wir auch »neue« Frauen! Logischerweise genau dort, wo sie die längst überfälligen Veränderungen entscheidend mitgestalten können: auf den Chefsesseln. Dazu scheint die Quote eines von mehreren probaten Mitteln zu sein.
Doch probat bleibt dieses Mittel nur, wenn es eben nicht lediglich dazu führt, solche Frauen in Führungspositionen zu bringen, die mit ihrem Arbeits-, Führungs- und Kommunikationsstil patriarchale Unternehmenskulturen fortschreiben. Es kann also nicht allein darum gehen, Frauen aus dem Gebot der Gerechtigkeit heraus in Führungspositionen zu bringen. Nein, es gilt auch dafür zu sorgen, dass in den Chefetagen Erfahrungen wirkmächtig werden, die aus vielfältigen Lebensentwürfen und ihren Interessenlagen heraus erwachsen.
Für den Anfang wäre es da schon mal gut, wenn auf den Managementebenen zunehmend auch aktive Väter und Mütter oder Männer und Frauen sitzen würden, auf die daheim pflegebedürftige Eltern warten. Wenn sich unser Land zu einer lebensfreundlichen Gesellschaft für alle entwickeln soll, dann sind solche Frauen und Männer gefragt – auch und gerade in den Eliten –, die Arbeit, Partnerschaft und Familie völlig neu denken und leben!«
Bettina Röder: »Nein! Denn die Quote tut guten Frauen nicht gut«
»Quote? Nein danke! Sie ist einfach für die, die sich dafür zur Verfügung stellen sollen, höchst gewöhnungsbedürftig. Ich selbst habe das so erlebt. Denn gleich nach der deutschen Einheit wurden sie für Kuratorien, Beiräte und anderes gesucht: die Ossis, die weiblich waren. Etwa unter dem Motto: »Seht her, wir beachten Euch doch. Ihr dürft sogar mitreden!« Das war sicher gut gemeint. Gutgetan hat es nicht. Da hatte ich immer dieses ungute Gefühl: Sie haben dich nicht ausgesucht und gefragt, weil du dies oder jenes gut kannst, möglicherweise auch Neues einzubringen hast aus deinem Leben in der DDR. Nein, sie haben dich gefragt, weil du halt weiblich bist und eben zufällig im anderen Teil Deutschlands gelebt hast.
Warum soll es Frauen, die quotenmäßig nun in die Chefetagen einziehen sollen, heute anders gehen? Und nimmt dann nicht die Quotenfrau vielleicht jemandem, der besser ist und eben zufällig männlich, einen Platz weg, den der andere viel besser besetzt hätte? - Vorausgesetzt, er sitzt nicht nur dort, weil er oben sein will, was ja leider zu oft der Fall ist.
Natürlich, es ist höchst seltsam, das übliche Bild von den Männerrunden »da oben«. Da ist so etwas wie das ökologische Gleichgewicht gestört. Von dem weiß man, wie wichtig es für das Leben ist. Deshalb finde ich es richtig, dass Frauen um ihre Plätze in Chefetagen kämpfen. Die Politik wie auch die Medien sind Beispiele dafür, dass das gelingen kann. Wenn der Stein ins Rollen kommt, ist er nicht aufzuhalten. Wiebke Bruhns, erste Nachrichtensprecherin der Bundesrepublik, hätte wohl nicht zu träumen gewagt, dass man heute fast wieder eine Männerquote unter den Nachrichtensprechern bräuchte.«
Bettina Röder, geboren 1953 in Dresden, ist Publik-Forum-Redakteurin in unserem Berliner Büro.
