Fernweh trifft Wirklichkeit
Wenn Rainer Buchmann an seine Reise nach Südafrika denkt, fallen ihm als Erstes die Begegnungen mit Menschen im Township ein. »Eine junge Frau hat uns ihr Haus gezeigt. Sie war stolz, dass sie nicht mehr in einer Hütte aus Pappkartons lebt, sondern in einem Haus, das man abschließen kann, das einen Fernseher und einen Kühlschrank hat«, erzählt der 66-jährige Rentner.
Buchmann und seine Frau Erika haben mit sechs weiteren Reisenden an einer »Fair-Trade-Reise« nach Südafrika teilgenommen – der ersten, die in Deutschland angeboten wurde. Sie ist das Paradebeispiel eines ökologischen und sozialverträglichen Tourismus.
Die Regeln des fairen Handels werden dabei auf alle Bestandteile der Reise – Pensionen, Ausflüge, Bootstrips – übertragen. Ausnahme: der Flug. Der ist wegen des hohen Kohlendioxid-Ausstoßes alles andere als nachhaltig.
»Nachhaltig reisen bedeutet, dass man dabei die Umwelt möglichst wenig belastet, dass man Einheimischen auf Augenhöhe begegnet, dass man in kleinen Gruppen reist und dass möglichst viel Geld vor Ort bleibt«, sagt Johannes Reißland, Geschäftsführer des forums anders reisen. Fernreisen lehnt er nicht grundsätzlich ab. Aber: »Wenn man eine Fernreise macht, sollte man möglichst lange vor Ort bleiben.« Christine Plüss, Geschäftsführerin des Arbeitskreises Tourismus und Entwicklung in Bern, rät: »Man sollte sich gut überlegen, welchen Urlaub man nötig hat, und sparsam mit Flügen umgehen.«
Heißt fair verreisen also Urlaub zwischen Nordsee und Alpen? Muss nicht sein. Nur eines ist für nachhaltig Reisende definitiv tabu: eine Kreuzfahrt. Warum die Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen und die Ökobilanz nicht stimmen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum (12/2013).
