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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

»Eure Tage sind gezählt«

von Knut Henkel vom 26.07.2019
Trotz des Friedensabkommens herrscht in Kolumbien Anarchie. Paramilitärs treiben ihr Unwesen, etwa in der Friedensgemeinde San José de Apartadó
Von Frieden kann in Kolumbien keine Rede sein: Nicht nur die Gemeinde San José de Apartadó im Norden des Landes leidet unter den Anfeindungen der Paramilitärs (Foto: Knut Henkel)
Von Frieden kann in Kolumbien keine Rede sein: Nicht nur die Gemeinde San José de Apartadó im Norden des Landes leidet unter den Anfeindungen der Paramilitärs (Foto: Knut Henkel)

Seit 22 Jahren existiert die Friedensgemeinde San José de Apartadó. Als Modellprojekt mit Unterstützung einer kirchlichen Menschenrechtsorganisation gestartet, kämpft die Friedensgemeinde ums Überleben im kolumbianischen Konflikt, der trotz des Friedensabkommens anhält. Die Bauern aus Apartadó stehen für einen solidarischen Lebensentwurf.

Geschickt lässt Arley Tuberquia die Nadel mit dem dicken gelben Faden durch die Maschen des Jutesacks wandern. Der süßliche Duft der Kakaobohnen hängt in der Luft. Als die Nadel mit der gelben Schnur das Ende des Sackes mit den getrockneten Bohnen umrundet hat, zieht Tuberquia ihn mit einem Ruck zu. »Der wird noch ein paar Tage in der Bodega gelagert, dann geht er im Container zur Gepa nach Deutschland«, sagt der hagere Kolumbianer lächelnd. Tuberquia, Mitte dreißig, gehört dem Rat der Friedensgemeinde von San José de Apartadó an, die ganz im Norden Kolumbiens liegt.

Rund zwanzig Kilometer entfernt von der lokalen Verwaltungsstadt Apartadó liegt das Dorf an einer Schotterpiste. Kurz vor dem Ortseingang steht das Lagerhaus, wo Arley Tuberquia auf der Terrasse mit ein paar anderen Bauern arbeitet. »Wir ernten die Kakaobohnen in den umliegenden Weilern und Siedlungen, getrocknet und verpackt wird meist hier«, erklärt Tuberquia. Er ist für die Koordination der Ernte und für die Verarbeitung des Kakaos verantwortlich. Und er vertritt das Komitee für Menschenrechte der Friedensgemeinde. Um die steht es alles andere als gut. Die Reste eines Spruches, den die Paramilitärs an die Wand der Bodega geschmiert haben, zeugen davon. »Eure Tage sind gezählt«, stand da. Tuberquia zieht genervt die Augenbrauen hoch, während er einen neuen Faden in die Nad

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