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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Elends-Orte werden zu Seuchenherden

von Beate Marie Eberhardt vom 03.06.2020
Die Corona-Hotspots in den Landkreisen zeigen, was in Deutschland im Argen liegt. Zum Beispiel die Wohn- und Arbeitsbedingungen osteuropäischer Arbeiter in der Fleischindustrie.
Dicht an dicht: Schweinehälften in einer Großschlachterei (Foto: pa/Assanimoghaddam)
Dicht an dicht: Schweinehälften in einer Großschlachterei (Foto: pa/Assanimoghaddam)

Gestern Hunderte mit Sars-Cov-2 infizierte Arbeiter bei Westfleisch im Landkreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen, heute 92 Infizierte in Dissen in Niedersachsen, morgen neue Infizierte anderswo. »Ein Virus wirft Schlaglichter auf Verhältnisse, die eigentlich seit Jahren unverantwortlich und bekannt sind«, sagt Heike Riemann vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelischen Nordkirche (KDA).

Riemann ist seit 2014 für »prekäre Arbeit« zuständig – und seither mit den Arbeitsverhältnissen in der Fleischindustrie beschäftigt. Seit 2018 ist der KDA Mitglied eines Schleswig-Holsteiner Bündnisses aus Gewerkschaften, Kirchen und engagierten Bürgern, das sich für die Interessen der Werkvertragsbeschäftigten einsetzt und deren Lage verbessern will. »Die Menschen wollten wissen, was in den Fleischfabriken von Danish Crown in Husum, bei Vion in Bad Bramstedt oder bei Tönnies in Kellinghusen passiert«, sagt Riemann, »und sie wollen das, was sie gesehen haben, nicht länger hinnehmen«. Als das Bündnis hinter die Kulissen der Branche blickte, zeigte sich das Ausmaß der Missstände: Sie fanden in den Sammelunterkünften und Wohnungen Sechs-Bett-Zimmer vor, Ungeziefer oder mangelhafte Elektrik. Inzwischen ist bekannt, dass die beengten und unhygienischen Zustände die Corona-Infektionen anheizen, die Betroffenen werden zu »Superspreadern«, wie Epidemiologen sagen. Dabei sind die betroffenen Arbeiter dem Infektionsrisiko selbst schutzlos ausgeliefert.

Neu sind diese skandalösen Verhältnisse nicht. Schon 2006 schrieb der Journalist Adrian Peter das Buch »Die Fleisch-Mafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch

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