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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
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Einheimische und Zweiheimische

von Tilman Vogt vom 20.03.2013
Warum man sich als Muslima für Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge begeistern kann. Ein Plädoyer für den Doppelpass
Was ist Heimat? Und kann man auch zwei davon haben? Fragen über Fragen. (Foto: pa/Schmidt)
Was ist Heimat? Und kann man auch zwei davon haben? Fragen über Fragen. (Foto: pa/Schmidt)

In welcher Sprache träumst du? Manche glauben, aus der Antwort schließen zu können, in welcher Kultur man verwurzelt ist. Vielleicht sind jedoch spontane Äußerungen aussagekräftiger: Die braunhaarige Jurastudentin Nüket Celebi schwenkt einen Teebeutel über der Tasse. Als das Säckchen plötzlich außer Kontrolle gerät und auf dem Boden landet, entfährt ihr ein bestürztes »Oh je!« Klarer Fall von deutscher Kinderstube. Möchte man meinen. Die Eltern der 22-jährigen Sinsheimerin stammen aus der Türkei, sie selbst hat ihre türkische Staatsangehörigkeit vor einem Jahr aufgegeben, um die deutsche zu erhalten. Aufgeben müssen, wie sie betont. Denn eine doppelte Staatsbürgerschaft bleibt ihr verwehrt. Die meisten Einwandererkinder können mit diesem rigiden Verständnis nationaler Zugehörigkeit nichts anfangen. An ihrer vielschichtigen Identität zielt es vollkommen vorbei.

Besonderes zugespitzt äußert sich dies im Fall des sogenannten Optionszwangs. Davon betroffen sind insgesamt rund 440 000 Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. Die Regelung hat hässliche Eltern: Sie ist mittelbar das Produkt einer Unterschriften-Kampagne der CDU aus dem Jahr 1999, die von vielen als rassistisch empfunden wurde. Der Aufruf richtete sich gegen das rot-grüne Projekt, auch in Deutschland einen Doppelpass einzuführen. Nicht zuletzt weil Roland Koch die damalige hessische Landtagswahl zur Abstimmung über die Staatsbürgerschaft umdeklarierte, gelang es ihm, die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat zu verschieben. Die Folge: der jetzige Optionszwang. Seitdem bekommen in Deutschland geborene Einwandererkinder zusätzlich zu der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern den deutschen Pass – jedoch nur auf Zeit. Bis zum 23. Lebensjahr müssen sie sich f

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