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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Theater gegen die Taliban

von Ashfaq Yusufzai vom 22.03.2013
Ein Stück gegen den Terror unter Paschtunen löste in Pakistan Begeisterung aus. Jetzt soll es in Afghanistan aufgeführt werden

Die Zuschauer applaudierten noch, als der Vorhang schon längst gefallen war. Die Begeisterung über das Theaterstück »Khushal Khan Khattak«, das in der nordpakistanischen Stadt Peshawar aufgeführt wurde, dürfte jedoch nicht bei allen Leuten in der Region um Peshawar im Nordwesten Pakistans auf Beifall stoßen: Insbesondere den islamistischen Taliban dürfte sie missfallen.

Das Stück basiert auf dem Leben des paschtunischen Kriegsdichters Khushal Khan Khattak, der sich im 17. Jahrhundert gegen die Herrschaft der Moguln aufgelehnt hatte. Mit seinen Schriften, in denen er sich für die Einheit aller Afghanen einsetzte, machte sich Khattak in der Bevölkerung beliebt. Das Theaterstück von heute hat mit Krieg wenig zu tun. Engagiert, laut und mit derbem Humor präsentieren die Schauspielerinnen und Schauspieler das Stück, das von den Helden und der Freiheitsliebe der Paschtunen handelt, aber auch von ihrem Abscheu gegen den Terror. Das Theaterstück schlägt kulturelle Brücken zwischen den Paschtunen in Pakistan und jenen in Afghanistan.

Alle Zuschauer im Theater haben verstanden, welche politische Tragweite die Aufführung in diesen Zeiten hat. Khushals Theater-Botschaft besteht darin, sowohl zum Widerstand gegen brutale Kräfte aufzurufen als auch Frieden und Einheit innerhalb seines Volkes und unter den Völkern Afghanistans zu fordern.

»Wir sollten Bühnenstücke dazu nutzen, um den Leuten gute Unterhaltung zu bieten und sie von dem Einfluss der Taliban fernzuhalten«, meint Parveen Malal, die Kulturbeauftragte Afghanistans in Peshawar. Von der Resonanz auf das Stück ist sie beeindruckt: »Bei den Zuschauern spürt man eine enorme Begeisterung, die sie die schlimmste Form des Terrorismus vergessen lässt, den es jemals in der Region gegeben hat.«

Das erfolgreiche Theaterstück zeigt, dass die Kultur im Nordwesten Pakistans wieder eine größere Rolle spielt. »Wir haben die Nishtar-Halle in Peshawar mit 600 Plätzen für kulturelle Veranstaltungen geöffnet. Wir wollen den Terrorismus durch Musik, Kunst und Theater schlagen«, erklärt der Kulturminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain. Die vorhergehende Regierung der Region hatte Konzerte und andere Kulturereignisse als »unislamisch« verboten.

Wie Hussain erläutert, vermittelt das Wiederaufleben von Theater und Musik die Botschaft, dass die Paschtunen ein freiheitsliebendes Volk seien,

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